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IGH-Völkermord-Klage Nicaraguas: Deutschland verteidigt Waffenlieferungen an Israel
Deutschland fordert vor dem IGH die Abweisung der Völkermord-Klage und rechtfertig seine Rüstungsexporte nach Israel. Nicaragua lässt aber nicht locker. Die Richter müssen nun entscheiden, ob es zum Hauptverfahren kommt.
IGH-Völkermord-Klage Nicaraguas: Deutschland verteidigt Waffenlieferungen an Israel
IGH-Völkermord-Klage Nicaraguas: Deutschland verteidigt Waffenlieferungen an Israel / Foto: Peter Dejong/AP/dpa

Ungeachtet der weltweiten Kritik hat Deutschland vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) seine umstrittenen Rüstungsexporte nach Israel als vereinbar mit internationalem Recht verteidigt. „Alle deutschen Rüstungsexporte nach Israel und in andere Länder unterliegen strengen Prüfverfahren, die strikter als internationale Regelungen sind“, sagte die deutsche Chefjuristin Julia Monar am Montag zu Beginn einer Anhörung in Den Haag.

Nicaragua hatte Deutschland mit einer Klage wegen Beihilfe zum Völkermord vor das Gericht gebracht. Die Rüstungsexporte verletzen demnach die Genozid-Konvention, da das exportierte Material von Israel bei den Angriffen im Gazastreifen genutzt werde.

Schwere Anschuldigungen gegen Deutschland

Zum Start der mehrtägigen Anhörung wies die deutsche Rechtsvertreterin die Anschuldigungen des mittelamerikanischen Landes als haltlos zurück. Aus der umfassenden Dokumentation, die Deutschland zu seinen Rüstungsexporten veröffentliche, gehe hervor, dass diese im Einklang mit internationalem Recht ständen. Deutschland habe seine Rüstungsexporte unter Berücksichtigung der konkreten Lage im Nahostkonflikt zwischenzeitlich auch eingeschränkt. Der Gerichtshof solle die Forderung Nicaraguas nach einem Stopp der deutschen Rüstungsexporte zurückweisen, forderte Monar.

Außerdem behauptete die deutsche Juristin die Auffassung, dass das Gericht in dieser Sache gar nicht befugt sei. „Weder Nicaragua noch Deutschland sind direkt in den Konflikt verwickelt, der den eigentlichen Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet, nämlich den israelisch-palästinensischen Konflikt.“ Zum ersten Mal in seiner Geschichte werde das Gericht gebeten, über einen Fall zu entscheiden, der nichts mit Streitigkeiten zwischen Staaten zu tun habe, wofür der Gerichtshof eigentlich zuständig sei.

Rechtsvertreterin: Weniger als einen Monat Zeit für Stellungnahme

Nicaragua habe es auch versäumt, Deutschland ordnungsgemäß zu benachrichtigen und dem Land weniger als einen Monat Zeit für eine Stellungnahme eingeräumt, bevor es das Verfahren einleitete, sagte die deutsche Chefjuristin. Das deute darauf hin, dass Nicaragua nicht daran interessiert gewesen sei, die Sichtweise Deutschlands anzuhören, sondern lediglich daran, Deutschland vor den Gerichtshof zu bringen, sagte Monar. Von Staaten wird in der Regel erwartet, dass sie versuchen, Streitigkeiten beizulegen, bevor sie diese vor Gericht bringen.

Deutschland hatte die erste Runde in diesem Verfahren 2024 für sich entschieden. Die höchsten Richter der UN wiesen damals einen Eilantrag Nicaraguas ab. Nach der Entscheidung musste Deutschland seine Rüstungsexporte nach Israel nicht sofort stoppen. Die Richter kamen aber der Forderung Deutschlands nicht nach, die Klage Nicaraguas völlig abzuweisen. 

Kommt es zum Hauptverfahren?

Die deutschen Rechtsvertreter versuchen nun in dieser Anhörung zu erreichen, dass es gar nicht erst zum Hauptverfahren kommt. Sie werden ihre Argumente darlegen, warum das Gericht ihrer Einschätzung nach nicht befugt ist. Nicaragua wird am Dienstag darauf reagieren. Wann die Richter eine Entscheidung fällen, ist nicht bekannt. 

Es ist bereits das zweite Völkermord-Verfahren zum Gaza-Krieg vor dem IGH. Ende 2023 hatte Südafrika Israel wegen Völkermordes im Gazastreifen verklagt. Israel bestreitet diese Anschuldigungen. In Zwischenentscheidungen hatte das Gericht Israel ermahnt, alles zu tun, um einen Völkermord zu verhindern.

Nicaragua hatte wegen des israelischen Vernichtungskriegs im Gazastreifen die diplomatischen Beziehungen zu Israel im Jahr 2024 abgebrochen.

Deutschland als zweitgrößter Waffenlieferant Israels

Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Waffenlieferant Israels. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden Rüstungsexporte nach Israel im Wert von fast 800 Millionen Euro genehmigt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, über die der „Spiegel“ berichtete. Die zwischen Januar und Juni ausgestellten Exportgenehmigungen entsprachen demnach dem vierfachen Gesamtwert des Vorjahreszeitraumes (rund 201 Millionen Euro).

Im August 2025 hatte die Bundesregierung die Ausfuhr von Waffen ausgesetzt, die im Gazastreifen eingesetzt werden könnten. Anlass war Israels Beschluss, seine Angriffe auf die palästinensische Enklave auszuweiten und Gaza-Stadt zu besetzen. Im November hob die Bundesregierung die Beschränkungen wieder auf.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen