TÜRKİYE
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Fall Ayşenur Eygi: Auch ein Jahr nach Tötung durch Israel keine Untersuchung
Die türkisch-amerikanische Aktivistin Ayşenur Ezgi Eygi wurde vor einem Jahr bei einem Protest in Beita von israelischen Soldaten erschossen. Ihre Familie fordert bis heute vergeblich eine unabhängige und transparente Untersuchung durch US-Behörden.
Fall Ayşenur Eygi: Auch ein Jahr nach Tötung durch Israel keine Untersuchung
Die türkisch-amerikanische Aktivistin Ayşenur Ezgi Eygi/ Foto: AA / AA
6. September 2025

Ein Jahr nach der Tötung der türkisch-amerikanischen Aktivistin Ayşenur Ezgi Eygi im besetzten Westjordanland beklagt ihre Familie das Ausbleiben einer unabhängigen Untersuchung. Die 26-Jährige war am 6. September 2024 bei einer Protestaktion gegen illegale israelische Siedlungen in Beita nahe Nablus von einem israelischen Scharfschützen erschossen worden.

Obwohl Videoaufnahmen und Augenzeugenberichte nahelegen, dass Eygi gezielt ins Visier genommen wurde, erklärten die israelischen Streitkräfte, sie sei „höchstwahrscheinlich“ indirekt und unbeabsichtigt getroffen worden. Für die Familie der Aktivistin und Menschenrechtsorganisationen ist diese Darstellung nicht nachvollziehbar – sie sprechen von einem gezielten Angriff und fordern eine unabhängige Untersuchung durch die USA.

Schmerzvolles Jahr für die Familie

Ehemann Hamid Ali schilderte gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, die vergangenen zwölf Monate seien „extrem schmerzhaft“ gewesen. Weder von israelischer noch von US-amerikanischer Seite habe es bezüglich einer Untersuchung zu dem Fall Fortschritte gegeben. „Wir fordern noch immer dasselbe wie am ersten Tag – eine Untersuchung. Doch es gibt weder Ergebnisse noch ernsthafte Schritte“, sagte er. 

Für ihn sei es schwer, seine Frau als Symbolfigur auf Protestplakaten zu sehen. „Für uns bleibt sie Ayşenur – meine Frau, die Schwester und Tochter. Ein wirklicher Mensch mit Stärken und Schwächen, keine übermenschliche Figur.“

US-Behörden verweisen auf Israel

Nach Eygis Tötung durch israelische Soldaten hatte die damalige US-Regierung Israel zu einer „schnellen und transparenten Untersuchung“ aufgefordert. Doch laut der Familie ist Washington bis heute untätig geblieben. Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte nun auf Anfrage, man habe „keine höhere Priorität als die Sicherheit von US-Bürgern“ und verwies für den Stand der Ermittlungen auf israelische Behörden.

Die israelische Armee und das US-Justizministerium äußerten sich auf Anfrage nicht. In Türkiye läuft unterdessen ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft, das noch nicht abgeschlossen ist.

Muster der Straflosigkeit

Brad Parker vom Center for Constitutional Rights, der die Familie juristisch unterstützt, kritisiert die Untätigkeit US-amerikanischer Behörden. „Es gibt keine laufende Untersuchung durch die US-Regierung. Ein Jahr ist vergangen, ohne Verantwortung, ohne den Willen zu ermitteln“, sagte er.

Parker betonte, US-Behörden wie FBI oder Justizministerium hätten die Kompetenz, Verbrechen an US-Bürgern im Ausland zu untersuchen, verzichteten aber bewusst. „Damit wird faktisch Straflosigkeit für die Täter garantiert – nicht nur im Falle von Ayşenur, sondern auch für andere getötete US-Bürger palästinensischer Herkunft.“

Er verwies auf zahlreiche übereinstimmende Zeugenaussagen: Demnach haben israelische Soldaten Eygi von einem Hausdach in Beita aus erschossen. „Es ist kein Geheimnis. Die Verantwortlichen sind den Behörden bekannt.“

Weitere Opfer

Eygi ist nicht die erste US-Bürgerin, die seit 2022 von israelischen Soldaten oder Siedlern getötet wurde. Zu den weiteren Opfern zählen die Journalistin Shireen Abu Akleh sowie der 20-jährige Sayfollah Musallet, der im Juli 2025 erschossen wurde. In keinem der Fälle wurden Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen.

Kampf um Gerechtigkeit geht weiter

Am 15. September wollen Ali und Eygis Schwester Özden Bennett in Washington gemeinsam mit Angehörigen weiterer Opfer Mitglieder des US-Kongresses treffen. Ziel sei es, den Druck auf die Regierung zu erhöhen, eigene Ermittlungen einzuleiten. „Nichts hat sich wirklich verändert – aber wir kämpfen weiter“, sagte Ali.

QUELLE:TRT Deutsch