Sollte die AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die Regierung kommen, könnte dies nach den Worten der Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, dringend benötigte Fachkräfte abschrecken und somit schwere wirtschaftliche Folgen haben. „Angesichts des Wahlprogramms ist zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde“, sagte Schnitzer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Sonntag).
Die Münchner Ökonomie-Professorin wies darauf hin, dass in Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren viele Arbeitskräfte in Rente gehen. „Ohne Zuzug von außen werden deshalb bald viele Fachkräfte fehlen. Und ohne ausreichend Fachkräfte bleiben dringend benötigte Investitionen aus“, warnte Schnitzer.
Der Chef des Dax-Konzerns Siemens Energy, Christian Bruch, bezeichnete die Wirtschaftspolitik der AfD als „absolut kritisch“. Das Programm der Partei, die unter anderem eine Rückkehr zu Kohle und Atomkraft fordert, schade dem Wirtschaftsstandort Deutschland, sagte Bruch der Nachrichtenagentur dpa.
Top-Manager warnen vor Folgen einer AfD-Politik
Deutsche Unternehmen und Arbeitsplätze seien davon abhängig, „dass wir exportieren, dass wir auch internationale Fachkräfte nach Deutschland holen und dass sich ausländische Investoren auf politische Stabilität verlassen können“, sagte Bruch. Er blicke mit großer Sorge auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Kritisch zur AfD geäußert hatten sich neben Bruch auch Top-Manager wie der Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und Bahlsen-Chef Alexander Kühnen.
Kürzlich hatte zudem der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Reint Gropp, vor möglichen wirtschaftlichen Folgen bei einem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt gewarnt. Falls die AfD ihre Stimmungsmache gegen Zuwanderer fortsetze, würden dort „Tausende zusätzliche Stellen unbesetzt bleiben“, sagte Gropp laut einer IWH-Pressemitteilung. „Das Land würde spürbar an Wohlstand verlieren.“ Demnach spielte vor allem der Zuzug ausländischer Arbeitskräfte eine wichtige Rolle für die Stabilisierung des Arbeitsmarktes in den vergangenen Jahren.
Folgen für den Wirtschaftsstandort
Vor drei Jahren hatte bereits Schnitzers damalige Kollegin Ulrike Malmendier vor Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort Deutschland gewarnt, sollte die AfD weiter an Zustimmung gewinnen. Malmendier, die dem Sachverständigenrat bis Februar 2026 angehörte, bewertete die „Polarisierung“ als Hemmnis für eine ausreichende Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland.
Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die jüngste Umfrage für das ZDF, die am Donnerstagabend veröffentlicht wurde, sieht die AfD bei 41 Prozent und die CDU bei 23 Prozent. Die Linke wird bei elfeinhalb Prozent gesehen und die SPD bei achteinhalb Prozent. Auch die Grünen könnten mit sechs Prozent wieder in den Magdeburger Landtag einziehen.
Das BSW und die FDP lagen in der Umfrage unter der Fünf-Prozent-Hürde. Aktuell regiert in Sachsen-Anhalt eine Koalition aus CDU, SPD und FDP.
Auch bei der vergangenen Bundestagswahl lag das BSW in Umfragen deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Sie verpasste jedoch nur knapp den Einzug in den Bundestag (4,98 Prozent/rund 9.500 fehlende Stimmen). Das BSW legte daraufhin wegen vermuteter Auszählungsfehler Einspruch ein und forderte eine Neuauszählung. Die ersten Eilanträge vor dem Bundesverfassungsgericht wurden jedoch abgewiesen und auch der Bundestag lehnte den Einspruch Ende 2025 ab. Nun zieht die Partei in der Hauptsache vor das höchste Gericht.
Der Einzug des BSW in den Bundestag hätte sich möglicherweise auf die Regierungsbildung ausgewirkt und eine CDU-SPD-Koalition ohne einen weiteren Partner verhindert. Das BSW spricht von politischer Voreingenommenheit und will weiter gegen die Entscheidung vorgehen. Die BSW-Parteispitze betonte wiederholt, dass bei einem so knappen Ergebnis selbst kleine Unregelmäßigkeiten mandatsrelevant seien. Das BSW verwies zudem auf konkrete Stichproben und mutmaßliche Verwechslungen der Stimmzettel. Sie argumentiert, dass dies rechnerisch Tausende Stimmen betreffen könne.























