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Libanon: Menschenrechtler werfen Israel „rechtswidrigen“ Einsatz von weißem Phosphor vor
Laut einer Auswertung von Human Rights Watch hat Israel weißen Phosphor über zivile Wohngebiete im Libanon abgeworfen. HRW-Sprecher Ramzi Kaiss ruft nun dazu auf, alle Waffenlieferungen an Israel zu stoppen.
Libanon: Menschenrechtler werfen Israel „rechtswidrigen“ Einsatz von weißem Phosphor vor
Foto: Ariel Schalit/AP
vor 3 Stunden

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Israel den „rechtswidrigen“ Einsatz von weißem Phosphor bei Angriffen auf Wohngebiete im Südlibanon vorgeworfen. Die israelische Armee habe am 3. März im südlibanesischen Johmor „rechtswidrig Artilleriemunition mit weißem Phosphor über Wohnhäusern“ eingesetzt, hieß es in einem am Montag veröffentlichen Bericht der in New York ansässigen Organisation. Die Aktivisten beriefen sich bei ihrem Vorwurf auf von ihnen überprüfte Bilder.

HWR erklärte, „sieben Aufnahmen überprüft und geolokalisiert“ zu haben. Auf den Bildern ist demnach der Einsatz von weißem Phosphor über einem Wohngebiet in Johmor zu sehen. Zudem zeigen sie Zivilschutzkräfte, die Brände in mindestens zwei Häusern und einem Auto in der Gegend bekämpfen.

Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur ANI hatte am Sonntag berichtet, dass israelische Streitkräfte die Orte Chiam und Tal Nahas nahe der Grenze zu Israel „mit Artillerie und Phosphorgranaten“ angriffen hätten. 

Der Einsatz von weißem Phosphor als chemische Waffe ist nach internationalem Recht untersagt. Die Nutzung zur Beleuchtung von Schlachtfeldern ist jedoch erlaubt. Zudem kann er verwendet werden, um Rauchschwaden zu erzeugen. Häufig wird Phosphormunition daher verwendet, um Truppenbewegungen hinter Nebelwolken zu verbergen.

Der in der Munition enthaltene weiße Phosphor entzündet sich durch Kontakt mit Sauerstoff. Dadurch können schwerste Verbrennungen sowie Vergiftungen verursacht werden.

Der in dem Bericht zitierte Libanon-Experte von HRW, Ramzi Kaiss, nannte das israelische Vorgehen „äußerst alarmierend“. Er warnte vor „schwerwiegenden Folgen für die Zivilbevölkerung“. Israel rief er auf, den „Einsatz von weißem Phosphor über Wohngebieten“ umgehend einzustellen. Staaten, die Israel mit Waffen, darunter mit weißem Phosphor, belieferten, „sollten ihre militärische Unterstützung und Waffenverkäufe sofort aussetzen und Israel dazu drängen, den Einsatz solcher Munition in Wohngebieten einzustellen“.

Am 27. November 2024 trat eine Waffenruhe zwischen der libanesischen Hisbollah und Israel in Kraft, die jedoch immer wieder vom israelischen Militär gebrochen wurde.

Seit Beginn des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran Ende Februar ist auch der schwelende Konflikt zwischen Israel und Hisbollah im Libanon wieder eskaliert. Den libanesischen Behörden zufolge wurden bei israelischen Angriffen bislang mindestens 394 Menschen getötet. Mehr als eine halbe Million Menschen seien zudem im Zuge der Angriffe vertrieben worden.

Die libanesischen Behörden und Human Rights Watch hatten Israel in den vergangenen Jahren wiederholt vorgeworfen, Phosphorgranaten in Angriffen eingesetzt zu haben, die den Behörden zufolge Zivilisten und der Umwelt schadeten.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen