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Aufwind für das Smart Home
Komfort, Sicherheit, Entertainment und Gesundheitsförderung: es gibt viele Gründe für die Hausautomation – und ebenso viele intelligente Ideen und Möglichkeiten, das eigene Zuhause „smart“ zu vernetzen.
Aufwind für das Smart Home
Smart Home / DPA

Intelligente Sensoren, autonome Haushaltshilfen, digitale Sprach- und Lichtsteuerung: der Smart-Home-Markt boomt – umso mehr, da viele Menschen in Deutschland aktuell von zuhause arbeiten. Laut einer Prognose von Statista soll der deutsche Marktumsatz für den Branchentrend im Jahr 2020 bei 4.226 Mio. Euro liegen, das jährliche Umsatzwachstum bei 13,2 Prozent. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter einem „Smart Home“?

13,2 Prozent jährliches Umsatzwachstum prognostiziert

Mit speziellen Geräten, Gadgets und Cloud-Diensten lassen sich elektronische Geräte und Vorgänge im eigenen Zuhause digital intelligent vernetzen. Die Idee dahinter: per zentraler Steuerung sollen Funktionen, die zuvor manuell betätigt und eingestellt werden mussten, nun automatisiert und digital steuerbar werden.

In der Umsetzung heißt das beispielsweise: die Beleuchtung mittels intelligenter Glühbirnen in sämtlichen Farbspektren über eine Smartphone-App zu bedienen. Musik und TV lassen sich auf Zuruf durch einen Sprachassistenten steuern und der Staubsauger reinigt selbstnavigierend zu vorprogrammierten oder vom Nutzer digital gesteuert die Fußböden. Auch für Jalousien und Heizung gilt: sie lassen sich über das Smartphone fernsteuern und so energieeffizienter und nach eigenem Bedarf bequem regulieren.

Komfort und Sicherheit als Entscheidungskriterien

Eines der ersten Rollenvorbilder für das Smart Home in Deutschland war das „Haus der Gegenwart“, das anlässlich eines Architekturwettbewerbs 2005 im Rahmen der Bundesgartenschau in München aufgebaut wurde. Dieses budgetmäßig limitierte Stadthaus führte exemplarisch vor, was ein „Connected Home“ leisten kann – und dass dies durchaus nicht zu kostspielig sein muss.

Doch welchen Nutzen bringt die smarte Vernetzung? Laut der Smart Home Studie 2018 von Deloitte, bei der über 2000 Deutsche befragt wurden, spielen Komfort und Sicherheit mit 56 bzw. 49 Prozent die wichtigste Rolle bei der Entscheidung für intelligent vernetzte, digitale Lösungen in den eigenen vier Wänden.

Weitere Vorteile, die der Studie zufolge für Besitzer von Smart-Home-Systemen, als ausschlaggebend gelten, sind das Einsparen von Heiz- und Stromkosten (38 Prozent) sowie die Nachhaltigkeit (20 Prozent) vieler Lösungen.

Was es fürs Smart Home brauchtZentraler Ausgangspunkt eines Smart Home ist die einheitliche Steuerung, die auf einem gemeinsamen Funkstandard wie z.B. WLAN, Bluetooth oder einem stromsparenden Smart Home-Funkstandard wie ZigBee oder Z-Wave basieren muss.

Unverzichtbar für die zentrale Steuerung der elektronischen Geräte und Funktionen im eigenen Heim ist dabei das sogenannte Gateway, auch Hub genannt, welches sich als Steuerungseinheit mit dem Internet oder WLAN verbindet und zwischen verschiedenen Funkstandards übersetzen kann. Über dieses Kernelement können Nutzer die Funktionen ihrer einzelnen Geräte überwachen, regulieren und fernsteuern.

Das Gateway: Smart Speaker und Displays

Einige solcher Hubs sind als smarte Bildschirme mit integriertem Lautsprecher – ähnlich einem Tablet – konzipiert. Über diese lassen sich Musik und Streamingdienste wiedergeben sowie Wettervorhersagen, Verkehr und Nachrichten abfragen. Auch als Wecker, für Videotelefonie und zur Ansicht von Fotos sind sie einsetzbar. Google hat beispielsweise mit dem Nest Hub eine solche multimediale Steuerzentrale eingeführt. Der Konkurrent Amazon ist mit der Echo-Familie ebenfalls breit aufgestellt.

Ursprünglich setzten die Hersteller jedoch auf Smart Speaker, intelligente Lautsprecher als Gateway für die intelligente Haussteuerung: auch diese bringen ihren Sprachassistenten und damit die „künstliche Intelligenz“ gleich mit. Wer Alexa oder Google Assistant ausprobiert hat, weiß, dass Sprachassistenten für beliebige Zwecke eingesetzt werden können – ob zum Abspielen von Musik und Nachrichten, um Anrufe zu erledigen oder um Kalendereinträge und Erinnerungen zu erstellen.

Smart Home Lösungen – für wen?Rund 16 Prozent der Deutschen verwenden lautDeloitte bereits Smart-Home-Lösungen. Die technikaffine Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren nutzt die intelligente Hausautomation jedoch mit Abstand am häufigsten. Dabei sind Smart-Home-Technologien insbesondere auch im höheren Lebensalter eine sinnvolle Investition, da sie die Sicherheit und den Komfort in den eigenen vier Wänden deutlich steigern können.

Unter dem Stichwort „Ambient Assisted Living“ (AAL) finden Senioren auf das höhere Lebensalter zugeschnittene Smart-Home-Innovationen, die über einfache Sprachassistenz und Unterhaltungszwecke hinausgehen: dazu zählen robotisch gestützte Haushaltshilfen, Lösungen für altersgerechtes Wohnen sowie Sicherungssysteme für Rufbereitschaft, Stürze und Notfälle.

Innovative Gadgets für eine bessere GesundheitUnd auch in Bezug auf die eigene Gesundheit können Smart-Home-Innovationen ihre Nutzer vielfältig unterstützen: ein Beispiel sind Schlaftracking-Pads unter dem Kopfkissen, welche in der Nacht Schlafrhythmus, Herzfrequenz sowie Schnarchen und Atemstörungen aufzeichnen. Über die Daten, die morgens auf dem Smartphone einsehbar sind, lässt sich beispielsweise „Schlafapnoe“, eine typischerweise unbemerkte Atmungsstörung, frühzeitig identifizieren.

Wer sein gesundheitliches Wohlbefinden durch eine Verbesserung der Raumluft steigern möchte, kann zudem Klimasensoren oder smarte Thermostate in sein vernetztes Zuhause integrieren, welche Temperatur und Luftqualität messen – und diese über smarte Ventilatoren, Heizstrahler oder sogenannte Luftumwälzer bzw. Luftreiniger regulieren. Letztere sind, zugegeben, kostspielig. Sind Smart-Home-Lösungen somit nur etwas für Gutverdiener?

Keineswegs. Wie die Deloitte-Studie aufzeigt, sind es zwar bislang vor allem Wohnungs- und Hausbesitzer, die in Smart-Home-Lösungen investieren und digital aufrüsten. Dabei lässt sich ein Smart-Home-System jedoch nicht nur im Neubau als kabelgebundene Lösung auf einfache Weise realisieren, sondern eignet sich in der funkbasierten Variante auch für alle übrigen Wohnszenarien gleichermaßen gut. Die Kosten variieren vor allem mit dem Umfang der gewünschten Funktionen.

Haushaltshilfen und EnergieeffizienzUnd dieser Spielraum ist groß, wie das Beispiel der digitalen Haushaltsunterstützung zeigt: Roboterstaubsauger erleichtern im Smart Home die Arbeit. Sie reinigen automatisch alle Böden der Wohnung, ob Fliesen, Parkett oder Teppich, und nutzen hierbei meist ein Laser-Navigationssystem und unterschiedlichste Sensorik wie Wandsensoren, Staubbehältersensoren oder Anti-Sturz-Sensoren. Über das Smartphone können sie gezielt in einzelne Räume gesendet werden. Wer will, kann auch Kühlschrank und Waschmaschine, sofern sie kompatibel und WLAN-fähig sind, mit dem Smart-Home-System vernetzen.

Die Hoffnung in nachhaltige Licht- und Heizungssteuerung beim Smart Home sind groß – dabei liefern sie längst nicht nur als Energie- und Kostenbremse einen Mehrwert, sondern bieten beispielsweise mit smarten, WLAN-fähigen LED-Glühbirnen, die unterschiedlichste Lichtstimmungen und Millionen von Farbtönen mit einer einzigen Glühbirne kreieren können, auch einen gewissen Unterhaltungswert.

Um Stromkosten zu sparen, empfehlen sich „Smart Plugs“: intelligente Steckdosen, die es erlauben, sämtliche häuslichen Geräte über das Handy an- und auszuschalten und die gerätespezifische Nutzung zu planen und programmieren, um so langfristig Stromkosten zu reduzieren.

Über das Smartphone steuerbar sind auch smarte Jalousien und Rollos mit energieeffizienten Funktionen für automatisches Kippen, Zeitplanung und tage- und wochenweise programmierbaren Steuerungsmöglichkeiten.

Blick ins Badezimmer der ZukunftAuch das Bad der Zukunft soll digital und teils sogar berührungslos werden, glaubt man den Herstellern smarter Sanitärlösungen. Zum Spektrum der Möglichkeiten zählen App-gesteuerte Toiletten mit Klodeckel-Steuerung, Waschfunktionen und Sitzheizung ebenso wie Waschbecken, deren Wasserstrahlstärke und -temperatur durch Sensorik zur Bewegungserkennung ausgelöst und mittels Gesten eingestellt wird.

Sprachassistenz kann auch hier Einsatz finden – etwa, um die Dusche oder einen Ganzkörpertrockner über Sprachbefehle in Gang zu setzen oder Temperaturen auf Zuruf einzustellen. Zugegeben: diese Trends werden im Eigenheim wohl eher noch auf sich warten lassen, sind aber möglicherweise schon bald in der Hotelwelt anzutreffen.

Fest steht: durch breitflächig verfügbares Internet, mobile Kommunikationsmöglichkeiten und vernetzbare Haushaltsgeräte ist „Smart Living“ längst auch in Deutschland ein Trend geworden. Mit Blick auf den steigenden Marktzuwachs ist davon auszugehen, dass diese intelligenten Technologien unseren Alltag in den eigenen vier Wänden in der Zukunft noch stärker bestimmen.