Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat Forderungen der USA nach einer blinden Gefolgschaft in der NATO zurückgewiesen. Entscheidungen in der Allianz würden im freien Konsens gefasst und nicht von einzelnen Staaten diktiert, sagte der SPD-Politiker dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. „Nicht Gefolgschaft ist das Konzept der NATO .“ Pistorius reagierte damit vor dem NATO -Gipfel in Ankara in der nächsten Woche auf den jüngsten Auftritt von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der die europäischen Bündnispartner in Brüssel scharf kritisiert hatte. Der Ton der US-Regierung sei bei Uneinigkeit zwar etwas ruppiger, daran gewöhne man sich jedoch, erklärte Pistorius. „Wir sind alle nicht aus Zuckerwatte.“
Die Europäer nähmen ihre Sicherheit zunehmend selbst in die Hand, weil dies im eigenen Interesse liege. „Alle Anstrengungen, die wir unternehmen, um die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr zu stärken, machen wir aus eigener Überzeugung“, sagte der Minister. Man tue dies „nicht in der Hoffnung, uns Liebe zu kaufen, bei wem auch immer.“ Dass Deutschland den USA bei militärischen Einsätzen wie im Iran nicht immer folge, spiele in den bilateralen Beziehungen keine übergeordnete Rolle. „Ein kleines Küsschen zu verweigern, das kann in den besten Beziehungen mal passieren“, sagte Pistorius mit Blick auf eine entsprechende Äußerung von US-Präsident Donald Trump. „Das ist nun wahrlich keine Ehekrise.“
Deutschland investiert Pistorius zufolge trotz der Differenzen weiterhin massiv in Rüstungsgüter aus den USA. „Rund 20 Prozent des 2022 aufgesetzten Sondervermögens für die Bundeswehr sind für Rüstungsbeschaffungen in den USA vorgesehen“, erklärte er. Das entspreche rund 20 Milliarden Euro, mit denen unter anderem Kampfjets, Schwerlasthubschrauber und Patriot-Flugabwehrsysteme bestellt worden seien. Die Bundesrepublik werde zudem auch künftig in den USA einkaufen, den Schwerpunkt jedoch auf Europa legen. „Denn dass deutsches, europäisches Steuerzahlergeld für Produktionskapazitäten bei uns ausgegeben werden soll, das verstehen auch die Amerikaner“, sagte Pistorius.























