Die katholische Kirche in Frankreich hat in den vergangenen fünf Jahren etwa 1.200 Missbrauchsopfer anerkannt. Etwa ein Drittel der Opfer sei weiblich, teilte die unabhängige Beratungs- und Entschädigungsstelle wenige Tage vor dem Papstbesuch am Dienstag in Paris mit. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Menschen, die sich bei der Stelle meldeten, um 35 Prozent angestiegen - wohl auch in Folge des Bekanntwerdens zahlreicher Missbrauchsfälle an katholischen Schulen.
Am Freitag beginnt in Frankreich ein viertägiger Besuch von Papst Leo XIV., bei dem er auch sieben Menschen treffen will, die in ihrer Kindheit von Klerikern oder an katholischen Schulen missbraucht wurden.
Die Leiterin der Beratungsstelle, Marie Derain de Vaucresson, bedauerte, dass an dem Treffen nicht mehr Betroffene teilnehmen werden. Der Vatikan solle sich von dem französischen Beispiel inspirieren lassen und die Bischofskonferenzen in anderen Ländern dazu aufrufen, sich in ähnlicher Weise den Missbrauchsopfern zu widmen, sagte sie.
Kommission schätzte Zahl der Missbrauchsfälle auf 330.000
„Wir waren überrascht, wie viele Menschen eine psychotraumatische Begleitung brauchten“, sagte Derain de Vaucresson, die nach fünf Jahren im Amt Bilanz zog. Die Bischofskonferenz hatte 2021 eine unabhängige Stelle eingerichtet, nachdem eine Kommission die Zahl der Missbrauchsfälle seit 1950 in der Kirche und in katholischen Einrichtungen auf 330.000 geschätzt hatte.
Die Beratungsstelle begleitet Menschen, die häufig erst spät in ihrem Leben von erlebtem Missbrauch in ihrer Jugend berichten. In vielen Fällen gibt es keine strafrechtlichen Konsequenzen, da die mutmaßlichen Taten als verjährt gelten. Sie entscheidet zudem über finanzielle Entschädigungen, welche die katholische Kirche zahlt. Im vergangenen Jahr lag diese im Schnitt bei knapp 37.000 Euro.
„Der, der sich an mir vergangen hat, ist tot“, berichtete Cécile, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte. „Deswegen konnte es keine Gerechtigkeit vor Gericht geben“, sagte sie. Die Anerkennung ihres Falls durch die Beratungsstelle sei ihr sehr wichtig gewesen. „Endlich hat man dem kleinen Mädchen geglaubt“, sagte sie.
Auch Eric war in seiner Kindheit Opfer von Missbrauch in der katholischen Kirche. Als er sich im Erwachsenenalter an die Justiz war sein Fall bereits verjährt. Die Beratungsstelle half ihm, das Erlebte zu verarbeiten.
„Niemand kann mir die Kindheit wiedergeben, aber es hilft, dass andere anerkennen, was geschehen ist“, sagte er. Er zeigt sich erleichtert, dass es überhaupt zu dem Treffen zwischen dem Papst und den Missbrauchopfern komme. „Die Worte der Opfer werden gehört werden“, sagte er. Er empfehle dem Papst, sich „weiter im Zuhören zu üben“.























