Rund 500 enttäuschte Kunden und Angehörige haben nach dem spektakulären Millionen-Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse in der Innenstadt demonstriert und Schadenersatz für ihre Verluste verlangt. „Wir haben viel Geld verloren. Der Umgang mit uns ist respektlos“, sagte der Organisator Soner Sarı am Donnerstag.
Die Demonstranten zogen durch die Innenstadt des Ortsteils Gelsenkirchen Buer. Sie standen bei der Abschlusskundgebung unmittelbar vor der Sparkasse und skandierten Sprüche wie „Rücktritt Klotz“ oder „Schande“ oder „Wo ist die Sicherheit“. Michael Klotz ist der Chef der Gelsenkirchener Sparkasse.
Anwalt will Sparkasse „in Grund und Boden klagen“
Polizeikräfte und private Securitykräfte sicherten die Sparkasse, alles blieb friedlich. Der Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann, der nach eigenen Angaben rund 650 Sparkassenkunden rechtlich vertritt, erhob in einer Rede vor der Menge Vorwürfe gegen die Sparkasse. Sie habe eklatante Fehler bei der Sicherheit begangen und sich dann nach dem Einbruch als Opfer inszeniert. „Wir werden die Sparkasse in Grund und Boden klagen“, kündigte er an.
Der Organisator der Kundgebung, Soner Sarı, sagte, er selbst, seine Schwester Neslihan Oruç und seine Eltern hätten jeweils Schließfächer in der Sparkasse gehabt. Der Vater, Sadettin Sarı, habe 40 Jahre unter Tage gearbeitet – zuletzt auf der Zeche Prosper in Bottrop. Jetzt sei ein Großteil der Ersparnisse weg. Sie hätten rund drei Kilogramm Gold im Familienschließfach gehabt, sagte die Mutter der Familie, Nezahat Sarı – unter anderem Goldgeschenke von ihrer Hochzeit.
Rücktritt des Sparkassenchefs gefordert
„Die Sparkasse ist nicht das Opfer, Opfer sind 3000 ehrliche Bürger“, stand auf einem Protestplakat. „Unser Erspartes - einfach weg“, stand auf einem anderen. „Wenn Vertrauen verloren geht, muss Verantwortung übernommen werden. Deshalb fordern wir den Rücktritt von Michael Klotz“, sagte ein Demonstrant per Lautsprecher.
Zur Demo die Hymne des Ruhrgebiets – das Steigerlied
Die Demonstranten hatten eine Musikbox mitgebracht und spielten immer wieder das Steigerlied – die Hymne des Ruhrgebiets. „Wir sind ehrliche Leute, keine Kriminellen“, sagte die Geschädigte Oruç.
Bei dem Einbruch Ende 2025 waren Unbekannte mit Hilfe eines großen Kernbohrers in den Tresorraum vorgedrungen und hatten über 3.000 Schließfächer aufgebrochen und leer geräumt. Der Schaden liegt im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich. Die Schließfächer sind standardmäßig mit maximal 10.300 Euro pro Fach versichert. Nach eigenen Angaben hatten viele Kunden deutlich mehr eingelagert.
Drei Kunden haben bereits Klage gegen die Sparkasse erhoben und fordern den vollen Schadenersatz für ihren Schließfachinhalt – bei den drei Klagen zusammen mehr als eine halbe Million Euro. Sie werfen der Sparkasse mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen am Tresorraum vor. Die ersten Klagen sollen in gut vier Wochen vor dem Landgericht Essen verhandelt werden.

















