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Pfiffe und Buhrufe: Israel qualifiziert sich für ESC-Finale
Begleitet von Boykottaufrufen und Protesten zieht Israel ins Halbfinale des ESC in Wien ein. Sowohl außerhalb der Arena als auch beim Auftritt des israelischen Teilnehmers wird es laut.
Pfiffe und Buhrufe: Israel qualifiziert sich für ESC-Finale
Foto: Lisa Leutner/REUTERS

Begleitet von lautstarken Protesten hat sich Israel am Dienstag beim ersten Halbfinale des Eurovision Song Contest in Wien für das Finale am Samstag qualifiziert. Noam Bettan erhielt mit dem Lied „Michelle“ genug Punkte von den nationalen Jurys und dem Publikum.

Wegen der Teilnahme Israels boykottieren die Niederlande, Spanien, Irland, Slowenien und Island in diesem Jahr den ESC. Damit schickten nur Sendeanstalten aus 35 Ländern Beiträge zur 70. Ausgabe des Musikwettbewerbs nach Wien. Dies ist die geringste Teilnehmerzahl seit mehr als zwei Jahrzehnten. Die Zuschauerzahlen dürften unter den 166 Millionen vom vergangenen Jahr liegen. Hintergrund der Proteste und des Boykotts ist der israelische Vernichtungskrieg im Gazastreifen, der von zahlreichen Experten und Menschenrechtsorganisationen als Völkermord eingestuft wird. Gefordert wurde der Ausschluss Israels vom ESC, was aber nicht umgesetzt wurde.

In Wien herrschte vor dem Halbfinale spürbare Anspannung. Die Polizei bereitet sich auf Proteste vor. Während des Auftritts Bettans waren aus dem Publikum Pfiffe und Zwischenrufe zu hören. Zuschauer riefen „Stop the war and genocide!“ (Stoppt den Krieg und Genozid!) und „Free Palestine!“ (Befreit Palästina!). Mehrere Friedensaktivisten wurden von der Security aus den Rängen gezogen und anschließend abgeführt, wie in den sozialen Medien verbreitete Aufnahmen zeigen.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hatte am Freitag auf pro-palästinensische Demonstranten bei einem Konzert reagiert: „Wir lassen uns nicht zum Schweigen terrorisieren.“ Er kündigte große Sicherheitsmaßnahmen an. Die österreichische Amnesty-International-Chefin Shoura Hashemi nannte seine Äußerungen unerträglich, falsch und spaltend.

Israels Teilnehmer Bettan hatte am Samstag eine Verwarnung erhalten, weil er in Videos dazu aufgerufen hatte, zehnmal für ihn zu stimmen – das erlaubte Maximum. Wettbewerbsdirektor Martin Green hofft auf eine Rückkehr der boykottierenden Länder: „Sie gehören zu unserer Familie. Wir vermissen sie.“

Der irische Sender RTÉ verwies auf seine Dezember-Erklärung, eine Teilnahme sei „nicht zu verantworten“. Für diese Woche sind mehrere Proteste mit bis zu 3.000 Teilnehmern geplant. Eine für Dienstag erwartete Demonstration mit 500 Menschen fand zwar statt, blieb aber mit rund 30 Teilnehmern hinter den Erwartungen zurück. 

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums tötete Israel seit dem 7. Oktober 2023 mehr als 72.740 Menschen in Gaza, die meisten davon Frauen und Minderjährige. Demnach wurden mindestens 172.555 Menschen verletzt. Große Teile Gazas liegen aufgrund der israelischen Angriffe in Trümmern.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen