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Diplomatie in vier Jahren Krieg: Bisherige Ukraine-Verhandlungen
Russland und die Ukraine befinden sich seit vier Jahren im Krieg. Alle diplomatischen Initiativen sind bislang ohne Durchbruch geblieben. Ein Überblick.
Diplomatie in vier Jahren Krieg: Bisherige Ukraine-Verhandlungen
Foto: Felipe Dana/AP (Archiv)
vor 15 Stunden

In den vier Jahren, die der Ukraine-Krieg nunmehr andauert, gab es einige diplomatische Initiativen, um zumindest einen Waffenstillstand zu erreichen – bisher erfolglos. Ein Überblick:

Belarus, Februar 2022:

Vier Tage nach Beginn des Ukraine-Kriegs kamen Gesandte der Ukraine und Russlands am 28. Februar 2022 in Belarus erstmals zusammen. Moskau schickte eine Delegation um den ehemaligen Kulturminister Wladimir Medinski, der der Ukraine das Recht auf eine Existenz als selbstständiger Staat absprach. Die russische Delegation forderte, dass Kiew die Kämpfe einstellt und die Halbinsel Krim sowie die ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk an Russland übergibt.

Der ukrainische Chefunterhändler Michailo Podoljak verlor bereits eine Stunde nach Beginn des Treffens die Hoffnung auf eine Einigung. In einem AFP-Interview sagte er rückblickend, Russland habe Fachleute ohne Einfluss geschickt, die lediglich „ein paar Ultimaten“ vorgelesen hätten. Es gab noch zwei weitere ergebnislose Treffen in Belarus.

Türkiye, März 2022:

Kurze Zeit später trafen sich die Kriegsparteien in Türkiye. Moskau bot an, seine Truppen aus Teilen der Nordukraine zurückzuziehen. Kiew erklärte, die Ukraine sei bereit, einen neutralen Status für die Krim, Donezk und Luhansk und weitere Gespräche über diese Gebiete zu akzeptieren. 

Mit den Entdeckungen der Gräueltaten in Butscha wurden die Vorschläge hinfällig. Nach dem Rückzug der russischen Truppen aus dem Kiewer Vorort waren dort zahlreiche getötete Zivilisten entdeckt worden. Das Entsetzen über die mutmaßlichen russischen Kriegsverbrechen ließ weitere Gespräche erst einmal unmöglich erscheinen. 

Unter Vermittlung von Türkiye und den Vereinten Nationen ermöglichte das im Juli 2022 geschlossene Getreideabkommen zwischen Moskau und Kiew die Wiederaufnahme der gestoppten Exporte aus drei ukrainischen Schwarzmeerhäfen. 

Im September 2022 erklärte Russland vier weitere ukrainische Regionen neben der Krim offiziell für annektiert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erließ ein Dekret, das weitere Verhandlungen ausschloss, so lange Wladimir Putin russischer Präsident ist.

Trumps Rückkehr als US-Präsident, Januar 2025:

2023 und 2024 lagen die diplomatischen Bemühungen für ein Ende des Krieges weitgehend auf Eis. Das änderte sich mit der Rückkehr von Donald Trump ins Amt des US-Präsidenten im Januar 2025. Der Republikaner hatte im Wahlkampf angekündigt, den Krieg binnen 24 Stunden zu beenden. Zeitweise näherte er sich dem Kreml-Kurs an und erhöhte den Druck auf die Ukraine – so kam es bei einem Besuch Selenskyjs in Washington im Februar 2025 zu einem Eklat, als Trump diesem vorwarf, nicht genügend Dankbarkeit für die US-Hilfe gezeigt zu haben.

Erneute Verhandlungen in Istanbul im Mai, Juni und Juli 2025:

Bei neuen Verhandlungen in Istanbul reiste Selenskyj nach Türkiye, Putin blieb den Gesprächen fern. Der ukrainische Präsident warf Moskau vor, erneut ein Marionetten-Team für Schein-Verhandlungen geschickt zu haben. Zu einer eigentlich anvisierten Einigung über eine Waffenruhe kam es nicht. Bei weiteren russisch-ukrainischen Treffen in Türkiye wurde lediglich der Austausch von jeweils tausenden Gefangenen vereinbart. 

Putin-Trump-Gipfel in Alaska, August 2025:

Im Juli stellte Trump Russland ein Ultimatum: Wenn Moskau den Krieg nicht innerhalb von 50 Tagen beende, werde Washington massive Zölle für die wichtigsten Handelspartner Russlands erheben. Die Drohung blieb weitgehend folgenlos, lediglich gegen Indien verkündete Trump Zölle. Zudem lud er Putin nach Alaska ein, also in die USA. 

Im August wurde der Kremlchef mit großem Pomp in dem nördlichsten US-Bundesstaat empfangen – es war Putins erster Besuch in einem westlichen Land seit Beginn des Ukraine-Krieges. Von seiner Forderung nach einer raschen Waffenruhe rückte Trump ab. 

Verhandlungen über Trump-Plan, seit Herbst 2025:

Mitte November kamen Vertreter der Ukraine, der USA und der europäischen Verbündeten Kiews in Genf zusammen, um über einen von Trump vorgeschlagenen 28-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges zu sprechen. Weil die Vorschläge nach Ansicht der Ukrainer und der Europäer Russland zu weit entgegenkamen, wurde der Plan überarbeitet. 

Die Ukraine erklärte sich unter anderem zu einem Einfrieren des Frontverlaufs und dem Teilrückzug ihrer Truppen bereit, damit eine Pufferzone geschaffen werden kann. Zentrale Forderungen Moskaus wie der rechtlich bindende Verzicht Kiews auf einen Nato-Beitritt sind in dem neuen Plan nicht mehr vorgesehen. Der Kreml machte bisher keine Zugeständnisse. 

Ende Januar verhandelten in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten erstmals russische und ukrainische Vertreter gemeinsam mit US-Unterhändlern über die überarbeitete Fassung des Trump-Plans. Ukrainische wie russische Vertreter sprachen im Anschluss von Fortschritten, ein Durchbruch wurde jedoch nicht erzielt. Am vergangenen Dienstag und Mittwoch gab es eine weitere direkte Gesprächsrunde unter Vermittlung der USA in Genf. Greifbare Ergebnisse wurden nicht erzielt, beide Konfliktparteien sprachen danach von schwierigen Verhandlungen. Weitere Gespräche sollen aber „in naher Zukunft“ stattfinden.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen