Türkiye hat die Instrumentalisierung der Beerdigung von Ratko Mladić zur Verherrlichung des verurteilten bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers scharf verurteilt. Die Leugnung seiner Verbrechen sei inakzeptabel, erklärte das türkische Außenministerium am Dienstag.
Mladić sei von internationalen Gerichten rechtskräftig wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verurteilt worden, hieß es weiter. Wer diese Urteile zurückweise oder verurteilte Täter verherrliche, vertiefe das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen, warnte das türkische Ministerium.
Die Ehrung Mladićs untergrabe zudem die jahrzehntelangen Bemühungen um Frieden und Versöhnung auf dem Balkan. Die Region brauche eine „friedliche, blühende und gemeinsame Zukunft“, die auf den „notwendigen Lehren aus der Vergangenheit“ beruhe, betonte das Ministerium.
Mladić und der Völkermord von Srebrenica
Mladić, auch bekannt als der „Schlächter von Bosnien“, wurde 2017 vom UN-Tribunal in Den Haag wegen seiner Rolle bei den Gräueltaten während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach 16 Jahren Flucht war er 2011 in Serbien festgenommen worden. Das Urteil wurde 2021 letztinstanzlich bestätigt.
Die Richter stellten unter anderem Mladićs zentrale Verantwortung für den Genozid von Srebrenica im Juli 1995 fest, bei dem mehr als 8000 muslimische Männer und Jungen brutal ermordet wurden. Mladićs Truppen hatten zuvor die damalige UN-Schutzzone Srebrenica eingenommen und dort Gräueltaten verübt. Internationale Gerichte stuften das Massaker als Völkermord ein. Srebrenica gilt als Schauplatz eines der schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Dennoch wird Mladić in Teilen der serbischen Gesellschaft bis heute verehrt.
Der frühere bosnisch-serbische Militärchef starb am 27. August 2026 im Alter von 84 Jahren während der Verbüßung seiner lebenslangen Haftstrafe in Den Haag. Sein Leichnam wurde anschließend nach Belgrad überführt und dort vor seiner Beisetzung am Montag mit militärischen Ehren empfangen. Tausende Menschen nahmen an der Beerdigung teil, darunter auch Vertreter der serbischen Regierung. Die Zeremonie löste international scharfe Kritik aus.
EU kritisiert Verherrlichung
EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte als Reaktion einen geplanten Besuch in Serbien ab. Die Verherrlichung Mladićs sei mit den Werten, auf denen der EU-Beitrittsprozess des Landes beruhe, nicht vereinbar, hieß es in einer Erklärung vom Freitag.
Das türkische Außenministerium gedachte indes der Opfer des Bosnienkrieges, insbesondere der beim Völkermord von Srebrenica getöteten Menschen. Ankara sprach den Angehörigen seine Solidarität aus. Die Aufarbeitung der Vergangenheit, der Respekt vor den Opfern und die Ablehnung jeglicher Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher seien für einen dauerhaften Frieden auf dem Balkan unerlässlich, erklärte das Ministerium.























