Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer und Hinterbliebenen des NSU-Terrors, Barbara John, hat 15 Jahre nach der Selbstenttarnung der rechtsextremen Gruppe eine Entschädigung für die Überlebenden und Hinterbliebenen gefordert. „Die Überlebenden und Hinterbliebenen des NSU haben eine ganz singuläre Position“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Mittwoch. „Denn sie mussten lange Jahre mit der falschen Anschuldigung leben, dass die Täter aus der türkischen Mafia gekommen seien, und konnten aufgrund dessen nicht das Leben führen, das sie führen wollten.“
Es gebe keine von Terror betroffene Gruppe, die vom Staat, der nicht in der Lage gewesen sei, die Täter zu ermitteln, so behandelt worden sei. „Deshalb ist eine Entschädigung erforderlich.“
John schlug vor, der Bundestag könnte eine bestimmte Summe zur Verfügung stellen. „Wenn er es nicht macht, könnten es auch die Länder tun. Dafür käme unter anderem Sachsen infrage, weil die Täter dort lange untergetaucht sind, aber auch Bayern. Denn allein dort gab es fünf Morde.“
Der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) war eine rechtsextreme Terrorzelle, bestehend aus Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die von 2000 an unerkannt zehn größtenteils rassistisch motivierte Morde in ganz Deutschland verübte. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin. Die Sicherheitsbehörden erkannten den Zusammenhang der Taten lange nicht und ermittelten zunächst im Umfeld der Opfer.
Mundlos und Böhnhardt verübten zudem zwei Bombenanschläge in Köln mit Dutzenden Verletzten. Die beiden nahmen sich am 4. November 2011 das Leben, um ihrer Festnahme nach einem Banküberfall zu entgehen – erst damit war der NSU aufgeflogen. Zschäpe wurde 2018 als Mittäterin an der NSU-Mordserie zu lebenslanger Haft verurteilt.
Zehn Menschen wurden zwischen 2000 und 2007 vom rechtsterroristischen NSU ermordet: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und die Polizistin Michèle Kiesewetter.
Die Selbstenttarnung des NSU-Komplexes löste in Deutschland eine bis heute andauernde Debatte über Rassismus und das Versagen der Sicherheitsbehörden aus, da der Rechtsterror lange Zeit als mögliches Tatmotiv außer Acht gelassen wurde.























