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Israel schiebt weitere verschleppte Aktivisten der Gaza-Hilfsflotte ab
Ihre Mission: Hilfe nach Gaza bringen. Doch Israel hielt die Friedensaktivisten der „Global Sumud Flotilla“ davon ab und verschleppte sie auf offener See. Dutzende weitere sind endlich frei – und berichten von Misshandlungen der israelischen Armee.
Israel schiebt weitere verschleppte Aktivisten der Gaza-Hilfsflotte ab
Flughafen Eleftherios Venizelos, Athen, Griechenland, 06.10.2025 / Foto: Costas Baltas/AA / AA

Israel hat 302 weitere Aktivisten der von der israelischen Marine völkerrechtswidrig geenterten Gaza-Hilfsflotte abgeschoben, darunter auch türkische und deutsche Staatsbürger. 

Das jordanische Außenministerium teilte am Dienstag mit, dass 131 Aktivisten aus dem besetzten Westjordanland nach Jordanien gelangt sind. Neben 14 türkischen Friedensaktivisten seien Staatsbürger aus Bahrain, Tunesien, Algerien, Oman, Kuwait, Libyen, Pakistan, Argentinien, Australien, Brasilien, Kolumbien, Tschechien, Japan, Mexiko, Neuseeland, Serbien, Südafrika, Schweiz, Großbritannien, den USA und Uruguay unter den Freigelassenen, so der Sprecher des Außenministeriums, Sinan al-Majali.

Am Montag landeten 161 Friedensaktivisten aus insgesamt 16 europäischen Ländern in Athen. Demnach wurden laut dem griechischen Außenministerium zehn weitere Aktivisten in die Slowakei gebracht. Unter den in Athen Gelandeten befand sich auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie und die französische Linkspolitikerin Rima Hassan berichteten von Gewalt von israelischer Seite.

Thunberg und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter wurden am internationalen Flughafen in Athen von pro-palästinensischen Aktivisten begrüßt. Die rund 45 Schiffe umfassende „Global Sumud Flotilla“ sei der „bisher größte Versuch“ gewesen, die „illegale und unmenschliche israelischen Blockade“ des Gazastreifens auf dem Seeweg aufzubrechen, sagte die 22-jährige Schwedin. „Es ist eine Schande, dass diese Mission existieren muss“, fügte sie hinzu. Regierungen weltweit würden „nicht einmal das Mindeste“ tun, um den „Völkermord“ an den Palästinensern zu verhindern. 

Misshandlungen in israelischer Haft

Thunberg sagte zudem, Aktivisten hätten in der israelischen Haft „Misshandlungen“ erlitten, ohne jedoch Details zu nennen. Hassan, französische Abgeordnete der Linksaußenpartei La France Insoumise (LFI), erhob bei der Ankunft in Athen hingegen konkrete Vorwürfe: „Ich wurde von zwei Polizisten geschlagen, als sie mich in den Polizeiwagen beförderten“, sagte sie. Weitere Aktivisten seien ebenfalls geschlagen worden.

Zudem seien die Zustände in der Haft im Hochsicherheitsgefängnis in der Negev-Wüste unannehmbar gewesen. „Wir waren teilweise 13 bis 15 Menschen in einer Zelle“, sagte Hassan. Dort habe es keine Betten, nur Matratzen auf dem Boden gegeben. „Es fehlte uns wirklich an allem“, fügte die französische Politikerin hinzu.

Nach Angaben des slowakischen Außenministeriums wurden zehn Aktivisten in die Slowakei gebracht, darunter ein Slowake sowie Aktivisten aus den Niederlanden, Kanada und den USA. 

Das israelische Außenministerium hatte zuvor im Onlinedienst X erklärt, 171 weitere „Provokateure“ der Gaza-Flotte, „wurden heute von Israel nach Griechenland und in die Slowakei abgeschoben“. Dazu veröffentlichte das Ministerium Fotos, auf denen Thunberg und zwei weitere Frauen auf dem südisraelischen Flughafen Ramon zu sehen sind. Alle drei Frauen tragen darauf die graue, in israelischer Haft übliche Gefängniskleidung.

Unter den Ausgewiesenen befinden sich nach den Angaben des israelischen Außenministeriums Staatsangehörige aus Deutschland, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Litauen, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, Serbien, der Schweiz, Slowakei und den USA. 

In Berlin teilte das Auswärtige Amt am Montag mit, dass 14 Teilnehmer der Flotte mit deutscher Staatsangehörigkeit in Israel festgehalten werden. Diejenigen, die einer freiwilligen Ausreise nicht zugestimmt hätten, würden vermutlich abgeschoben, sagte ein Sprecher.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte Israel Dutzende der Aktivisten außer Landes verwiesen, die ebenfalls über Misshandlungen in israelischer Haft berichteten. Die verschleppten pro-palästinensischen Aktivisten hatten an der „Global Sumud Flotilla“ teilgenommen, die im September mit rund 45 Schiffen aufgebrochen war, um nach eigenen Angaben die völkerrechtswidrige Seeblockade Israels gegen Gaza zu durchbrechen und Hilfsgüter für die notleidenden Menschen zu bringen. 

Die israelische Marine hatte seit Mittwoch ein Schiff nach dem anderen auf See entgegen dem Völkerrecht geentert. Die Boote mit insgesamt mehr als 400 Menschen an Bord wurden von israelischen Streitkräften verschleppt. Der Vorfall löste internationale Empörung aus und führte zu weltweiten Protesten.

Die Gaza-Hilfsflotte ist bereits das dritte Vorhaben dieser Art in diesem Jahr. Zuvor waren die „Handala“ und die „Madleen“ der Freedom Flotilla Coalition gescheitert, da Israel auch diese in internationalen Gewässern geentert hatte.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen