Außenminister Johann Wadephul spricht sich angesichts drastisch gestiegener Energiepreise als Folge des US-israelischen Angriffskriegs gegen den Iran für eine stärkere Zusammenarbeit mit Marokko im Bereich erneuerbarer Energien aus. „Marokko ist Vorreiter bei der Solar- und Windkraft auf dem afrikanischen Kontinent und schickt sich an, einer der führenden Produzenten weltweit von grünem Wasserstoff zu werden“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch zum Auftakt eines zweitägigen Besuches in der Hauptstadt Rabat.
Dies sei gerade in der Zeit der Krise, in der die Straße von Hormus noch gesperrt sei, „ein Anlass, doch unsere Anstrengungen zu verstärken, in diesem Bereich unabhängiger von fossilen Kraftstoffen zu werden“, forderte Wadephul. „Ich glaube, das ist angesichts der Gefahrenlage und angesichts der Unkalkulierbarkeit mancher Preise das Zeichen der Zeit“, sagte er.
In der Hauptstadt Rabat will Wadephul am heutigen Donnerstag mit seinem marokkanischen Amtskollegen Nasser Bourita bei einem strategischen Dialog über den Ausbau der Beziehungen sprechen.
Wadephul wirbt um Fachkräfte aus Marokko
Er sehe auch im wirtschaftlichen Bereich erhebliches Potenzial zum Ausbau der Zusammenarbeit mit Marokko, sagte Wadephul. Der Minister ließ sich in Rabat ein Zulieferunternehmen im Automobilbereich zeigen, das mit 7.000 Mitarbeitern allein an diesem Standort Kabelbäume für Autoproduzenten in Deutschland herstellt. „Das heißt, in vielen Autos made in Germany steckt auch ein Stück made in Marokko“, sagte Wadephul.
Der wirtschaftliche Austausch sei keine Einbahnstraße, sagte der Minister. So seien marokkanische Fachkräfte eine wichtige Stütze in Berufen, in denen es einen Mangel in Deutschland gebe, etwa im Gesundheit- und Pflegebereich. Daher werbe er „um Fachkräfte, die interessiert sind und die entsprechend ausgebildet werden müssen und können, die nach Deutschland kommen können und denen wir eine Chance der Beschäftigung geben wollen“.
Besuch bei Nachwuchsfußballerinnen
Jackett ausgezogen, Hemdsärmel hochgekrempelt: Wadephul besuchte auch eine Trainingseinheit von marokkanischen Nachwuchsfußballerinnen. Gemeinsam mit dem Sportbotschafter und ehemaligen deutschen Fußball-Nationalspieler Karim Bellarabi und anderen Mitgliedern seiner Delegation ließ sich der Minister auf ein kurzes Freundschaftsspiel ein.
Beide Länder verbinde auch der Einsatz für die regelbasierte internationale Ordnung mit den Vereinten Nationen im Zentrum, sagte Wadephul mit Blick auf das 70. Jubiläum der bilateralen Beziehungen in diesem Jahr. Der Minister war erst am Morgen von einem Besuch der UN in New York zurückgekehrt. So habe sich Marokko bereiterklärt, an der Umsetzung des 20-Punkte-Plans für den Gazastreifen und einer internationalen Sicherheitstruppe mitzuwirken. Mit Marokko teile man auch das Ziel einer Stabilisierung der Sahel-Region, um dort Krisen- und Fluchtursachen einzudämmen.















