Armenien nicht zu Aufnahme von Friedensgesprächen mit Aserbaidschan bereit
Armenien hat kein Interesse an einer russischen Vermittlung im Berg-Karabach-Konflikt mit Aserbaidschan. Moskau hatte sich zuvor bereit erklärt, die Friedensgespräche zwischen Eriwan und Baku zu leiten.
Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan bei einer Konferenz mit Militärvertretern.  (AFP)

Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan hat Friedensverhandlungen mit dem Nachbarland Aserbaidschan unter russischer Vermittlung abgelehnt. Die Idee eines solchen Gipfeltreffens sei angesichts der „intensiven militärischen Aktivitäten“ rund um die besetzte Gebirgsregion Berg-Karabach „unangemessen“, behauptete Paschinjan am Mittwoch gegenüber der russischen Nachrichtenagentur „Interfax“.

Bei den seit Sonntag andauernden Kämpfen zwischen aserbaidschanischen Soldaten und armenischen Truppen wurden bereits mindestens 98 Menschen getötet.

Voraussetzung für Verhandlungen sei eine „passende Atmosphäre“, sagte Paschinjan. „Derzeit“ plane seine Regierung nicht, um eine russische oder internationale Intervention in dem Konflikt zu bitten.

Die russische Regierung hatte angesichts des wieder aufgeflammten Konflikts um Berg-Karabach angeboten, zwischen den Nachbarstaaten Aserbaidschan und Armenien zu vermitteln.

Nach Angaben des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums gingen die „intensiven Kämpfe“ auch am Mittwoch weiter. Demnach neutralisierten aserbaidschanische Streitkräfte 2300 armenische Soldaten und trafen 130 ihrer Panzer sowie mehrere Waffenlager.

Karabach-Karte (TRT Deutsch)

Aserbaidschanische Kräfte „mehr als ausreichend“

„Die Türkei wird Aserbaidschan auf jede erdenkliche Weise unterstützen. Aber bisher waren die eigenen Kräfte im Kampf gegen die illegale armenische Besatzung mehr als ausreichend“, unterstrich indes der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu am Mittwoch, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Länder, die einen Waffenstillstand fordern, könnten Baku und Eriwan nicht gleich behandeln, gab der türkische Chefdiplomat mit Blick auf die völkerrechtswidrige Okkupation von Berg-Karabach durch Armenien zu bedenken. Stattdessen müsse die internationale Gemeinschaft „Armenien zum Rückzug aus den besetzten Gebieten, die zu Aserbaidschan gehören, auffordern“, betonte Çavuşoğlu. Er fragte: „Wo auf der Welt werden Besatzer und diejenigen, deren Land besetzt wird, gleich behandelt?“

Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion besetzte Armenien das Gebiet und verlagerte Truppen dorthin. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht. Moskau hat dort tausende Soldaten und Waffen stationiert. Aserbaidschan hingegen betrachtet die Türkei als engen Verbündeten.


TRT Deutsch und Agenturen