Ruf nach Konsequenzen zum Jahrestag des Hanauer Rechtsextremisten-Anschlags
Der rassistische Anschlag mit neun Toten in Hanau löste bundesweit Entsetzen aus. Das Gedenken zwei Jahre danach ist auch ein Appell für einen entschiedeneren Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus.
Symbolbild. 20. Februar 2021, Berlin: Bei einer Demonstration zum Gedenken an die Opfer des rechtsextremistischen Anschlags in Hanau halten Teilnehmer Plakate mit Bildern der Opfer des Anschlags. (DPA)

Trauer, Gedenken und Ruf nach Konsequenzen: Am zweiten Jahrestag des rassistischen Anschlags mit neun Toten in Hanau wird an diesem Samstag in zahlreichen deutschen Städten der Opfer gedacht. Zu einer zentralen Gedenkstunde (11.00 Uhr) auf dem Hanauer Hauptfriedhof werden Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) erwartet. Neben Hinterbliebenen sind auch Vertreter von Religionsgemeinschaften unter den rund 100 geladenen Gästen.

Ein 43-jähriger Deutscher hatte am 19. Februar 2020 in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Danach tötete der psychisch kranke Rechtsextremist seine Mutter und nahm sich selbst das Leben. Mit der Aufarbeitung der Tat befasst sich derzeit ein Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags, der insbesondere der Frage nachgeht, ob es vor, während oder nach dem Anschlag zu Behördenversagen kam. Bundesweit mehr als 100 Demonstrationen

Auch in anderen Städten in Hessen und Deutschland wollen Menschen an diesem Samstag die Opfer erinnern und für politische Konsequenzen eintreten. Bundesweit sind mehr als 100 Demonstrationen, Kundgebungen und Aktionen geplant, unter anderem in Frankfurt, Hamburg, Bremen, Hannover, Leipzig, Magdeburg, Stuttgart und München.

Die Linken-Vorsitzende Janine Wissler forderte zum Jahrestag des Anschlags mehr staatliche Anstrengungen gegen Rassismus. „Strukturellen Rassismus bekämpfen bedeutet, die Polizei und andere Sicherheitsbehörden müssen demokratisiert werden“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Extrem rechte Einstellungen, Netzwerke und rassistische Praktiken dort müssten wissenschaftlich untersucht werden.

„Familien der Opfer mit mehr Empathie unterstützen“

Nötig sei eine unabhängige Beschwerde- und Ermittlungsstelle auf Bundesebene.
Zahlreiche Vertreter von Politik und Interessengruppen verlangten eine lückenlose Aufklärung der Tat und einen entschiedeneren Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus, Hass und Hetze. Auch ein besserer Umgang mit Opfern wurde angemahnt.

„Der rassistische Terroranschlag in Hanau hat unser ganzes Land zutiefst erschüttert. Wir werden Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov nie vergessen“, erklärte Faeser. „Wir wollen, dass die Stimmen der Opfer gehört werden. Wir wollen die Familien der Opfer mit mehr Empathie und mit mehr Sensibilität unterstützen – in allen staatlichen Stellen.”
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DPA