Razzien gegen Schleuser- und Online-Kriminalität
Die Bundespolizei hat in mehreren Bundesländern Razzien durchgeführt - wegen Onlinebetrug und Schleuserkriminalität. Mehr als 200 Beamte waren im Einsatz.
Bundesweite Razzien (DPA)

Die Bundespolizei hat am Mittwochmorgen mehr als ein Dutzend wegen der Corona-Krise verschobene Razzien in mehreren Bundesländern nachgeholt. Mehr als 200 Beamte der Bundespolizei waren beteiligt, wie eine Sprecherin der Bundespolizei in Halle sagte. Die Einsätze richteten sich gegen zwei Banden, die Ausländern mit gefälschten Dokumenten zu einem Aufenthalt in Deutschland verholfen haben sollen, sowie gegen eine Gruppe von Fahrkarten-Betrügern. Die Beamten setzten Durchsuchungsbefehle in Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Bayern, Hamburg, Berlin und Hessen um. Einen Zusammenhang zwischen den Ermittlungen, bei denen es um Schleuserkriminalität und Onlinebetrug geht, gab es laut Bundespolizei nicht. Ursprünglich sollte demnach auch in Niedersachsen eine Wohnung durchsucht werden, die Beamten hätten jedoch festgestellt, dass dies wegen eines Umzugs nicht möglich gewesen sei, woraufhin der Einsatz nach Kassel verlagert wurde. Die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung in Halle führte die Maßnahmen durch. Festnahmen gab es den Angaben zufolge keine. Die Durchsuchungen seien aufgrund des Infektionsschutzes zunächst nicht durchgeführt und jetzt gesammelt nachgeholt worden. Dabei seien Schriftstücke und Smartphones sichergestellt worden. Im Zusammenhang mit dem Verkauf falscher Heiratsurkunden aus Zypern wurden zwei Wohnungen in Leipzig durchsucht. Die Tatverdächtigen in diesem Ermittlungsverfahren - drei Pakistaner, fünf Inder und zwei Deutsche - sollen die Dokumente an Menschen aus Pakistan und Indien verkauft haben.

Schleuserbanden im Fokus der Polizei

Zudem nahm die Bundespolizei Ausländer in den Fokus, die sich über eine Schleuserbande gefälschte Ausweise beschafft haben sollen. Die Ausweise sollen als Warensendungen über den Flughafen Halle/Leipzig verschickt worden sein. Wer hinter dem Fahrkartenbetrug steckt, auf den die Bundespolizei außerdem aufmerksam geworden war, ist noch unklar. Nach Erkenntnissen der Polizei hatten mehrere Vielfahrer über ein Chatprogramm Bahn-Tickets bestellt, die dann von einer Gruppe von Online-Betrügern mit gestohlenen Kreditkarten-Daten gekauft wurden. Auf die Spur der Betrüger kamen die Beamten dem Vernehmen nach über vier ausländische Vielfahrer, deren Wohnungen in Grimma, Rosenheim, Nürnberg und München durchsucht wurden. Die Polizisten durchsuchten am Mittwochmorgen jeweils drei Wohnungen in Sachsen, Bayern und Hamburg, je zwei in Berlin und Hessen und eine in Nordrhein-Westfalen. In zehn Fällen ging es um den Verdacht von Schleuseraktivitäten wie das Arrangieren von Scheinehen und Passfälschungen, sagte die Bundespolizeisprecherin. In vier Fällen gehe es um den Verdacht von Online-Betrug. Weitere Details wurden zunächst nicht genannt. Die Maßnahmen sollten in den Mittagsstunden abgeschlossen sein, hieß es.

DPA