Nawalny: Putin für Giftanschlag verantwortlich
Der russische Oppositionspolitiker Nawalny hat in einem Interview Russlands Präsidenten Putin für seine Vergiftung verantwortlich gemacht. Die Frage zum möglichen Nord-Stream-Stopp ließ er offen.
Der russische Politiker Alexej Nawalny. (DPA)

In seinem ersten großen Interview nach dem Giftanschlag auf ihn hat der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny den russischen Staatschef Wladimir Putin für die Tat verantwortlich gemacht. „Ich behaupte, dass hinter der Tat Putin steht“, sagte Nawalny in einem Interview mit dem „Spiegel“, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Der Oppositionelle äußerte tiefe Dankbarkeit für Deutschlands Hilfe und kündigte seine spätere Rückkehr nach Russland an.

„Andere Versionen des Tathergangs“ als eine Verantwortung Putins sehe er nicht, sagte Nawalny über den Giftanschlag. In dem „Spiegel“-Interview äußerte er seine „riesige Dankbarkeit allen Deutschen gegenüber“. Er schilderte einen Besuch Merkels an seinem Krankenbett vergangene Woche: „Mich hat beeindruckt, wie genau sie Russland kennt und meinen Fall.“

„Ich behaupte, dass hinter der Tat Putin steht, und andere Versionen des Tathergangs habe ich nicht“, sagte Nawalny. Trotz des Anschlags auf sein Leben will er nach Russland zurückkehren. „Meine Aufgabe ist jetzt, der Typ zu bleiben, der keine Angst hat. Und ich habe keine Angst! Wenn meine Hände zittern, dann nicht vor Furcht, sondern von diesem Zeug. Das Geschenk, nicht nach Russland zurückzukehren, werde ich Putin nicht machen.“

„Das ist Deutschlands Angelegenheit. Entscheidet selbst!“

Die Frage, ob Deutschland das Pipelineprojekt Nord Stream 2 stoppen sollte, wollte Nawalny nicht beantworten: „Das ist Deutschlands Angelegenheit. Entscheidet selbst!“ Jede Russland-Strategie müsse „das Stadium des Wahnsinns in den Blick nehmen, das Putin erreicht hat“.

Nawalny war am 20. August auf einem Flug vom sibirischen Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Zwei Tage später wurde er auf Drängen seiner Familie und seiner Unterstützer zur Behandlung in die Berliner Universitätsklinik Charité gebracht; in Deutschland wurde eine Vergiftung mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe festgestellt. Labore in Frankreich und Schweden bestätigten diesen Befund eines Bundeswehrlabors.

Die russische Regierung weist den Verdacht zurück, staatliche russische Stellen könnten Nawalny gezielt vergiftet haben. Der Fall hat für erhebliche Spannungen zwischen Berlin und Moskau gesorgt. Die Bundesregierung erwartet, dass bei dem am Donnerstagnachmittag beginnenden EU-Gipfel die Mitgliedstaaten den Giftanschlag auf den bekannten russischen Oppositionellen gemeinsam verurteilen.

AFP