Energiespar-Vorgaben: Werbewirtschaft sieht sich bedroht
Vor dem Hintergrund neuer Energiesparmaßnahmen fühlt sich die Werbewirtschaft in die Enge getrieben. Gefordert werden Nachbesserungen. Kritik gibt es unter anderem an der Dauer der Maßnahmen.
Archivbild. 01.09.2022, Berlin: Leuchtreklametafeln am Kurfürstendamm bleiben am 01.09.2022 dunkel. Die Deutsche Werbewirtschaft sieht sich wegen der neuen bundesweiten Energiespar-Vorgaben in Gefahr. (DPA)

Die Deutsche Werbewirtschaft sieht sich wegen der neuen bundesweiten Energiespar-Vorgaben in Gefahr. Die beschlossenen Maßnahmen bedrohten die Branche der Out of Home Medien im Kern, erklärte Kai-Marcus Thäsler, Geschäftsführer des Fachverbands Außenwerbung (FAW). Unter Out of Home Medien versteht man Außenwerbung wie etwa Plakate oder auch beleuchtete Werbetafeln im öffentlichen Raum. Kritik an Dauer der Energiesparmaßnahmen Die seit Donnerstag geltende Verordnung sieht vor, dass leuchtende Werbung in der Zeit von 22.00 Uhr bis 16.00 Uhr ausgeschaltet werden muss - es sei denn, das Licht wird für die Abwehr von Gefahren oder die Verkehrssicherheit zum Beispiel an Bahnunterführungen benötigt. Die Branche sei bereit, ihren Beitrag zu den notwendigen Energieeinsparungen zu leisten, hieß es vom Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Der Dachverband sieht aber einen Knackpunkt: Das Licht muss zu lange ausgeschaltet werden. Vor dem Kabinettsbeschluss habe sich der Verband mit einer Abschaltung von Leuchtreklame und Werbetafeln zwischen 22.00 Uhr am Abend und 6.00 Uhr am Morgen einverstanden erklärt, hieß es vom ZAW. Die Ausweitung bis in den Nachmittag sei für die Betroffenen vollkommen überraschend erfolgt. Das Plus von zehn Stunden ist aus Verbandssicht ein „Sonderopfer“ mit nur geringen Einsparpotenzial. Der Dachverband kritisiert dabei besonders den Wegfall der morgendlichen werberelevanten Zeit zwischen 6.00 und 9.00 Uhr. Verband befürchtet Umsatzeinbußen Der Wirtschaftspsychologe Florian Becker sieht bei den Vorgaben auch Probleme für Unternehmen, die auf Laufkundschaft angewiesen seien. Es drohten Umsatzeinbußen, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. „Leuchtreklame, die nicht leuchtet in der Nacht, fällt nicht auf“, sagte der Experte von der Technischen Hochschule Rosenheim. Es müsse überdacht werden, wo es sinnvoll sei, das Licht auszuschalten. Etwa bei Tankstellen fiele nachts ohne Leuchtreklame gar nicht mehr auf, dass da eine Tankstelle sei. Die Bundesregierung will wegen der Abhängigkeit von russischem Gas mit den neuen Auflagen Energie einsparen. „Jede eingesparte Kilowattstunde hilft ein Stück weit aus der Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen heraus“, heißt es in der Verordnung.

DPA