Frankreich: Ex-Ministerin tritt nach Enthüllungen über Missbrauch zurück
Die französische Ex-Justizministerin Guigou leitet nicht mehr die neugebildete Kommission zu sexuellem Kindesmissbrauch. Hintergrund sind brisante Enthüllungen über einen Missbrauchsfall im privaten Umfeld der Politikerin.
Archivbild. Die französische Politikerin Elisabeth Guigou (DPA)

Enthüllungen der Juristin Camille Kouchner über mutmaßlichen sexuellen Missbrauch in ihrer bekannten Pariser Intellektuellen-Familie haben einen ersten Rücktritt in der Politik ausgelöst. Die frühere sozialistische Justizministerin Elisabeth Guigou (74) leite nicht mehr eine neugebildete Kommission, die sich mit Inzest und sexueller Gewalt gegen Kinder beschäftige. Das teilte Familien-Staatssekretär Adrien Taquet am Mittwochabend in Paris mit.

Kouchners Buch „La Familia grande“ („Die große Familie“) war vor rund einer Woche erschienen und löst erheblichen Wirbel aus. Die Autorin ist Tochter des früheren französischen Außenministers und Mitgründers der Nothilfeorganisation „Ärzte ohne Grenzen“, Bernard Kouchner (81). Die 45-Jährige wirft ihrem Stiefvater Olivier Duhamel vor, vor über drei Jahrzehnten gegenüber ihrem damals minderjährigen Zwillingsbruder sexuell übergriffig geworden zu sein. Der bekannte Politologe und Jurist Duhamel war zwar nicht direkt auf die Vorwürfe eingegangen, hatte aber nach deren Bekanntwerden seine Funktionen niedergelegt.

Guigou, in Frankreich immer noch eine bekannte Politikerin, erklärte der Nachrichtenagentur AFP, das aktuelle Klima erlaube es ihr nicht, die Aufgabe mit der nötigen Ruhe anzugehen. Die Vorfälle, über die Kouchner berichte, seien ihr nicht bekannt gewesen, mit der Affäre habe sie nichts zu tun. Guigou wird zwar in dem Buch nicht erwähnt, soll aber laut Medien der Familie Duhamel nahegestanden haben.

Die neue Kommission war erst vor einem Monat geschaffen worden. Die französische Justiz hatte vor dem Hintergrund der Buchveröffentlichung eine Untersuchung wegen Vergewaltigungen und sexueller Übergriffe gegenüber einem Minderjährigen eingeleitet.

DPA