Die Organisation der Turkstaaten (AA)
Folgen

Als Ausdruck der Zusammenarbeit der Staaten der Türkischen Welt fand am 12. November in Istanbul der achte Gipfel des Türkischen Rates statt. Diesem Gipfel, der einen wichtigen Meilenstein für die Zukunft der Union markiert, kommt überdies mit den getroffenen Entscheidungen und den anvisierten Strategien besondere Bedeutung zu. So rief das Treffen des Rats, der sich aus der Türkei, Kasachstan, Aserbaidschan, Usbekistan und Kirgisistan zusammensetzt, seine vertiefte Kooperation und die Ausweitung neuer Potentiale sowohl in der türkischen als auch in der Weltöffentlichkeit ein bedeutendes Echo hervor. Auf diesem Gipfel wurden im Beisein der Mitglieds- und Beobachterstaaten (Turkmenistan und Ungarn) radikale Entscheidungen getroffen und darüber hinaus der Name des Rates in "Organisation Türkischer Staaten" (ab)geändert. Diese Entschlossenheit, die gemeinsamen historischen, kulturellen und sprachlichen Gemeinsamkeiten der Mitgliedsstaaten zu festigen und ihre Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Feldern zu stärken, grenzt den diesjährigen Gipfel von früheren signifikant ab. Damit nehmen die von den Mitgliedsstaaten verabschiedeten Projektionen für die Diversifizierung der zukünftigen Kooperationsbereiche sowie die vereinbarte Zusammenarbeit zu Themen wie Politik, Wirtschaft, Jugend, Sport, Gesundheit, Tourismus, Verkehr, Informations- und Kommunikationstechnologien, Diaspora und Medien, auch in Bezug auf regionale und globale Entwicklungen, einen sehr wichtigen Platz ein.

Das Dokument „Türkische Weltvision 2040“

Die sich dynamisch verändernden Machtverhältnisse im asiatisch-pazifischen Raum und das nachlassende Vertrauen in regionale Strukturen auf globaler Ebene (Brexit, EU) verleihen der Entschlossenheit der Türkei und der Mitgliedsstaaten in dieser Hinsicht eine besondere Aussagekraft. Die Beschlüsse des Gipfels und das von den Mitgliedsstaaten einvernehmlich angenommene Dokument „Türkische Weltvision 2040“ bekunden in diesem Zusammenhang den Willen der Staaten zur Kooperation und bekräftigen ihre Projektionen für die Zukunft. In diesem Sinne stellt auch die Betonung der Stärkung der Diaspora-Gemeinschaften und die verstärkte Entfaltung von besonderen Aktivitäten zur Wahrung der Identität der Türken in ihren Gemeinschaften ein wichtiges Thema dar, das in der Vision 2040 hervorsticht. Tatsächlich ist es für die Zukunft der Organisation von großer Bedeutung, den Einfluss der Mitgliedsstaaten in verschiedenen Teilen der Welt zu festigen und für das gemeinsame Ziel die öffentlich-diplomatischen Aktivitäten sowohl auf regionaler als auch auf internationaler Ebene auch mittels der in der Diaspora in zahlreichen Ländern lebenden Türken zu stärken.

Im Dokument der Vision 2040 ist ein weiteres herausstechendes Thema die Zusammenarbeit in den Bereichen Medien, Informations- und Kommunikationstechnologien, auch auf Basis der beim "Sieg von Karabach" und dem "Kaşıkçı-Mord" in der türkischen Welt in jüngster Zeit gemachten Erfahrungen in Bezug auf Informationskriege. Wie an beiden Beispielen deutlich wird, ist es in historischer Weise gelungen, Vorfällen, die das Potential hatten, von der internationalen Presse gegen die türkische Welt verwendet zu werden, mit einem systematisierten Kommunikationsmodell zum Vorteil selbiger entgegenzutreten. Auch die Tatsache, dass die Delegationen der Mitgliedsstaaten in ihren Stellungnahmen den Medien- und Informationsbereich priorisieren, weist darauf hin, dass sich ein Bewusstsein für die laufenden zwischenstaatlichen Informationskriege etabliert hat.

Medienplattform als gemeinsamer Kooperationsbereich

Die zwischen den Mitgliedsstaaten seit langem diskutierte Zusammenarbeit im Bereich Medien und Information wurde beim "Medienforum des Türkischen Rates", organisiert vom Präsidialamt für Kommunikation der Republik Türkei, im Oktober letzten Jahres konkret demonstriert. Auf diesem Forum, an dem neben Mitgliedern und Beobachtern auch Vertreter der Türkischen Republik Nordzypern teilnahmen, wurden die auf regionaler Ebene zu ergreifenden Schritte vereinbart sowie bilaterale Kooperationsprotokolle unterzeichnet. Das Forum war eine Veranstaltung, bei der alle Aspekte von Desinformationspolitiken in den Medien und neue Lösungsansätze diskutiert wurden. So wurde auf dem Gipfel der damalige Aufruf des türkischen Kommunikationsdirektors Fahrettin Altun zur Einrichtung gemeinsamer Informations- und Vertriebskanäle, um den Informationsaustausch zwischen den Mitgliedsstaaten zu erleichtern und einer etwaigen Desinformationspolitik gegenüber den Mitgliedsstaaten entgegenzuwirken, als Grundsatzdokument verabschiedet. Tatsächlich wurde in der auf dem Gipfel verabschiedeten Vision 2040 beschlossen, durch eine institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen Fernsehanstalten, Nachrichtenagenturen und Medienorganisationen einen gemeinsamen "Türkischen Informations- und Medienraum" zu schaffen. Darüber hinaus sollen im Rahmen der formulierten politischen Vision die Kooperationen zwischen öffentlichen und privaten Medienorganisationen gestärkt, neue Medienpartnerschaften aufgebaut, die Mobilität von Medienschaffenden erhöht und ein für Qualitätsjournalismus geeignetes Umfeld geschaffen werden. Auch ist der Aufruf, Filme, Serien und Dokumentationen zu produzieren, welche die Gemeinsamkeiten, die kollektive Geschichte und die gemeinsamen Werte der Mitgliedsstaaten widerspiegeln, ein sehr wichtiger Aspekt der im Hinblick auf die globale Medienaktivität dargelegten Vision.

Die besondere Betonung der Bekämpfung von Falsch- und Desinformation stellt damit auch eine der wichtigsten Aufgaben des zu etablierenden Medienraum heraus. In einer Welt, deren Informationsfluss sich über wenige Unternehmen vollzieht und in der über soziale Medien leicht in das politische Geschehen eingegriffen werden kann, ist die hier dargelegte Standhaftigkeit der „Organisation Türkischer Staaten“ im Bereich Medien und Information ein bedeutender Fortschritt für die Region. Entsprechend wird die auf diese Weise den Medien beigemessene Bedeutung dafür Sorge tragen, dass zum einen die Errungenschaften dieses Gipfels nachhaltig gesichert werden und zum anderen die Überwindung globaler und regionaler Bedrohungen, denen die türkische Welt in Zukunft ausgesetzt sein wird, gewährleistet wird.

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