Der dramatische Ausverkauf an den Börsen hat sich am Montag beschleunigt. Zu den Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie kommt die Furcht vor einem Ölpreiskrieg. Der Preis für Rohöl brach um 30 Prozent ein. Händler sprachen angesichts des Crashs von einem „schwarzen Montag“.

Der Dax sackte gleich zum Handelsstart deutlich unter die Marke von 11.000 Punkten. Rund eine Stunde nach Handelsbeginn lag der deutsche Leitindex 6,95 Prozent im Minus bei 10 739,97 Punkten. Die gesamten Gewinne aus dem vergangenen Jahr sind damit weg. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel büßte 5,93 Prozent auf 23 280,44 Punkte ein. Der EuroStoxx 50, der Leitindex der Eurozone, sackte um 7,11 Prozent ab.

Am Mittag notierte er mit 10.800 Punkten immer noch deutlich im Minus. Dabei hatte der deutsche Leitindex vor gerade einmal drei Wochen ein Rekordhoch von 13.795 Zählern erreicht. Das Minus seither: mehr als ein Fünftel.

Starker Einbruch der Anlegerstimmung in der Eurozone

Die jüngste Umfrage der Stimmungsforscher von Sentix unterstreicht das: Die Anlegerstimmung in der Eurozone brach im März so stark ein wie nie zuvor in einem Monat und fiel auf den niedrigsten Wert seit April 2013.

„Nach zweistelligen Kursverlusten in Rekordzeit fragt man sich, ob ein Bärenmarkt überhaupt noch verhindert werden kann“, erklärt Marktstratege Clemens Schmale von Godmode Trader. Damit meint er, ob wir derzeit den Beginn eines längeren Abwärtstrends sehen oder lediglich einen kurzfristigen Rückschlag in einem langfristig intakten Aufwärtstrend, so wie in den Jahren 2015/16 und 2018, als der Dax vom jeweiligen Hoch zum Tief teils noch deutlicher fiel.

Coronavirus und die Folgen an der Börse

Weltweit haben sich inzwischen weit mehr als 100.000 Menschen nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert. Die Dunkelziffer dürfte laut Experten wesentlich höher liegen. Etwa 15 von 100 Infizierten erkranken schwer, betroffen sind vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen.

Die Reaktionen der Politik mögen helfen, die Ausbreitung einzudämmen, tragen aber in einigen Ländern wenig zur Beruhigung bei. So riegelt Italien ganze Landstriche ab, die Informationspolitik des Landes ist chaotisch. Niemand weiß, was passieren wird und wie die Sperrzonen mit ihren rund 16 Millionen Einwohnern kontrolliert werden sollen.

Coronavirus: Folgen für die Exportwirtschaft und die Börse
Coronavirus: Folgen für die Exportwirtschaft und die Börse (Reuters)

Die Folgen der Virusausbreitung treffen die Wirtschaft in vielen Bereichen. Zahlreiche Länder erließen Reisebeschränkungen, Unternehmen verzichten auf Geschäftsreisen, Konzerte werden abgesagt, Urlauber bleiben lieber daheim. Das bekommen Fluggesellschaften und andere Touristik-Unternehmen zu spüren. Die Lufthansa etwa streicht ihren Flugplan wegen des Nachfrageeinbruchs zusammen. In den nächsten Wochen will sie die Kapazität um bis zu 50 Prozent zurückfahren.

Lieferengpässe mit China

Industrieunternehmen, die viele Vorprodukte aus China beziehen, bekommen Lieferengpässe zu spüren. So standen in China viele Fabriken wegen der Viruskrise still. Die Folge: Chinas Exporte sackten im Januar und Februar im Vergleich zu den ersten zwei Monaten des Vorjahres um 17,2 Prozent ab. Zudem brach in dem gerade für die deutschen Autobauer so wichtigen chinesischen Markt der Pkw-Absatz im Februar ein.

Entscheidend dürfte nun werden, wie schnell sich die Ausbreitung es neuartigen Coronavirus unter Kontrolle bringen lässt und wie die Politik und die Notenbanken agieren. Erste Schritte gibt es bereits. Die US-Regierung arbeitet dem Vernehmen nach an einem Hilfspaket für die US-Wirtschaft, und die große Koalition in Berlin will Unternehmen hierzulande vor den Auswirkungen der Coronakrise schützen. Dazu will sie das Kurzarbeitergeld ausweiten und besonders betroffenen Unternehmen finanziell unter die Arme greifen.

Zinssenkungen und Geldpolitik auf dem Prüfstand

Zahlreiche Notenbanken rund um den Globus senkten zudem die Leitzinsen, um Banken die Vergabe günstigerer Kredite an Unternehmen zu ermöglichen. Und auch die Europäische Zentralbank steht laut Helaba-Analyst Umlauf unter Druck, in dieser Woche aktiv zu werden. Mit einer Zinssenkung auf minus 0,60 Prozent werde mehrheitlich gerechnet, schreibt er.

EZB Frankfurt
EZB Frankfurt (DPA)


Neben der Flucht in sicherere Anlagen setzt auch die erwartete Geldpolitik die Renditen an den Anleihemärkten unter Druck. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel zum Wochenstart auf minus 0,828 Prozent. Die Kurse der Festverzinslichen stiegen im Gegenzug. Für den richtungweisenden Euro-Bund-Future ging es um fast ein Prozent nach oben. Auch Gold blieb gefragt.

Die Ölpreise rutschten nach den gescheiterten Verhandlungen über eine Drosselung der Fördermenge um 30 Prozent ein und damit so stark ein wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

„Zum Kampf gegen Corona kommt jetzt noch der Ölkrieg dazu“

Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners sprach von einem „regelrechten Blutbad. Zum Kampf gegen Corona kommt jetzt noch der Ölkrieg dazu“, sagte er. „Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat.“ Die Kurse von Bundesanleihen stiegen dagegen deutlich, und auch der Euro legte zu, denn auch er gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten.

Die Notierungen für Rohöl aus der Nordsee und für US-Öl fielen am Montagmorgen um jeweils etwa 30 Prozent - der stärkste prozentuale Einbruch seit 1991. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 32,83 US-Dollar. Damit lag der Preis 12,44 Dollar niedriger als am Freitag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI sackte um 12,44 Dollar auf 28,84 Dollar.

Tokio: Nikkei-Index
Tokio: Nikkei-Index (DPA)

Börse in Asien auf dem tiefsten Stand

An der Leitbörse in Tokio stürzte der Nikkei-Index für 225 führende Werte am Montag um mehr als 1000 Punkte unter die Marke von 20.000 Punkten auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten. Zum Handelsende notierte das Börsenbarometer einen Abschlag von 1050,99 Punkten oder 5,07 Prozent beim Stand von 19.698,76 Zählern.

Japanische Exporttitel gerieten zudem durch ein Anziehen des Yen gegenüber dem Dollar unter Druck. Auch an anderen Börsenplätzen der Region gaben die Kurs teils deutlich nach. Die Aktienkurse an der Börse in Seoul rutschten um mehr als vier Prozent. Der Leitindex ging um 85,45 Punkte oder 4,2 Prozent auf den Schlussstand von 1954,77 zurück. In China büßte der Shanghai Composite Index deutlich um 3,01 Prozent auf 2943,29 Punkte ein. Der Shenzhen Component Index ging mit einem Verlust von 4,09 Prozent bei 11.108,55 Punkten aus dem Markt.


DPA