Corona-Folgen: Rückgang der offenen Stellen um eine halbe Million

Die Zahl der offenen Stellen ist in der Corona-Krise stark gesunken: Sie ging von April bis Juni im Vorjahresvergleich um fast eine halbe Million zurück, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Demnach gab es im zweiten Quartal 2020 bundesweit 893.000 offene Stellen, das waren knapp 36 Prozent oder 496.000 weniger Stellen. „Viele Betriebe versuchen in der aktuellen Krise durch den Einsatz von Kurzarbeit ihre Fachkräfte zu halten. Ab dem Zeitpunkt der Anzeige von Kurzarbeit gilt jedoch für die betroffenen Organisationseinheiten bis zum Ende der Kurzarbeitergeldphase ein Einstellungsstopp“, erläuterte Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis vom IAB. „Auch hierdurch kommt es zu einem starken Rückgang an offenen Stellen.“ Durch den Anstieg der Arbeitslosigkeit und den Rückgang der offenen Stellen liegt die Arbeitslosen-Stellen-Relation im Bundesdurchschnitt derzeit bei 3,1: Auf 310 Arbeitslose kamen im zweiten Quartal 2020 100 offene Stellen. Im entsprechenden Vorjahresquartal lag diese Relation noch bei 1,6.

Einbruch von 56 Prozent – Industrie am stärksten betroffen

In der Industrie war der Einbruch mit 56 Prozent laut IAB am stärksten - die Zahl der offenen Stellen sank hier von 151.000 im zweiten Quartal 2019 auf 66.000 im zweiten Quartal 2020. In absoluten Zahlen war der Rückgang demnach in den beiden Branchen unternehmensnahe und sonstige Dienstleistungen am höchsten - hierzu zählt etwa das Gastgewerbe. Die Zahl der offenen Stellen ging in beiden Bereichen von 734.000 auf 470.000 zurück. Im Bereich öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung dagegen stieg die Zahl von 24.000 auf 27.000.

Das IAB untersucht viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im zweiten Quartal 2020 lagen laut Institut Antworten von rund 8500 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche vor.

AFP