Olympia 2021 in Tokio halten viele Experten für unwahrscheinlicb

In Japan äußerte erneut ein namhafter Wissenschaftler Zweifel, ob in Zeiten der Coronakrise der Ersatztermin für die Olympischen Spiele in Tokio zu halten sei. „Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass die Olympischen Spiele nächstes Jahr stattfinden werden“, sagte Kentaro Iwata, Professor für Infektionskrankheiten an der Universität Kobe.

Selbst wenn Japan die Pandemie im kommenden Sommer unter Kontrolle haben sollte, gehe er nicht davon aus, dass dies überall auf der Welt der Fall sein werde, sagte Iwata mit Blick auf Athleten und Zuschauer, die aus aller Welt nach Japan kommen würden. Er sei mit Blick auf die Olympischen Spiele im kommenden Sommer deshalb „sehr pessimistisch“. Er halte eine Austragung nur dann für denkbar, wenn diese etwa „ohne Publikum oder mit sehr geringer Beteiligung“ stattfinde. Die Olympischen Spiele hatten eigentlich in diesem Sommer in Tokio stattfinden sollen. Im März einigten sich Japan und das Internationale Olympische Komitee (IOC) dann darauf, die Spiele wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr auf Juli 2021 zu verschieben. Auch in Japan steigen die Infektionszahlen derzeit wieder an. Die bestätigten Fälle gingen zuletzt über die Marke von 10.000 hinaus; 171 Menschen starben. Damit liegt Japan zwar weit hinter den schwer getroffenen Ländern Europas, dennoch sind die Fallzahlen die höchsten in Asien nach China und Indien. In Südkorea gibt es etwa so viele Fälle wie in Japan.

Iwata glaubt, dass Japan selbst die Krankheit bis zum nächsten Sommer durchaus kontrollieren könne. „Aber ich glaube nicht, dass dies überall auf der Erde passieren wird. In dieser Hinsicht bin ich sehr pessimistisch, ob die Olympischen Spiele im nächsten Sommer stattfinden können“, sagte der Experte. Iwata hatte Anfang des Jahres für Schlagzeilen gesorgt, als er Kritik an Japans Umgang mit den Coronafällen auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess äußerte, das vor der Küste des Landes angelegt hatte. Japanische Beamte hatten eine Quarantäne auf dem Schiff angeordnet, am Ende waren mehr als 700 Menschen an Bord infiziert, 13 von ihnen starben. Zuvor hatte bereits Devi Sridhar vom Lehrstuhl für globale Gesundheit an der Universität Edinburgh Zweifel am Ersatztermin geäußert. Es sei „sehr unrealistisch“, zu glauben, dass die Spiele nächstes Jahr ohne Impfstoff stattfinden könnten, sagte Sridhar. „Wenn wir innerhalb des nächsten Jahres einen Impfstoff bekommen, halte ich Olympische Spiele für realistisch. Der Impfstoff wird der Wegbereiter sein“, sagte Sridhar der BBC, meinte aber auch: „Wenn wir keinen wissenschaftlichen Durchbruch erzielen, finde ich das sehr unrealistisch.“


AFP