Israel: Elf Festnahmen bei Anti-Netanjahu-Protesten

Erstmals seit Beginn des zweiten landesweiten Lockdown in Israel sind Gegner von Regierungschef Benjamin Netanjahu zu Protesten zusammengekommen. Die israelische Polizei hat in Jerusalem elf Menschen vorläufig festgenommen. Wie die Polizei in der Nacht auf Montag mitteilte, wurden ihnen Störungen der öffentlichen Ordnung und Sperrungen von Straßen vorgeworfen. Mindestens 3000 Menschen hatten am Sonntagabend wegen der Korruptionsvorwürfe gegen Netanjahu und seines Managements der Corona-Krise protestiert.

Die Kundgebung war trotz der neuen Corona-Restriktionen genehmigt worden. Es nahmen etwa genauso viele Menschen teil wie in den Wochen vor Inkrafttreten des Lockdown. Die Teilnehmer trugen Masken, hielten aber nicht die Abstandsregeln ein.

Die Polizei beklagte, Demonstranten hätten die Barrikaden entfernt, die aus Sicherheitsgründen um den Demonstrationsort herum errichtet worden waren. Ein Autofahrer, der mit seinem Wagen Barrikaden der Polizei habe rammen wollen, sei festgenommen worden. Wegen einer sehr hohen Infektionsrate war in Israel am Freitag nur wenige Stunden vor Beginn des dreitägigen jüdischen Neujahrsfestes ein erneuter landesweiter Lockdown in Kraft getreten. Abgesehen von der Schließung der Schulen und der meisten Geschäfte werden mindestens drei Wochen lang soziale Kontakte eingeschränkt: In geschlossenen Räumen dürfen nur noch höchstens zehn Menschen zusammen sein, im Freien höchstens 20 Menschen. Außerdem dürfen sich die Menschen in Israel nicht weiter als 500 Meter von ihren Wohnungen entfernen. Nach dem ersten Auftreten von Corona-Fällen in Israel hatte das Land die Pandemie gut in den Griff bekommen. Nach der weitgehenden Aufhebung der Corona-Restriktionen verzeichnet Israel mittlerweile aber die zweithöchste Infektionsrate weltweit. In dem Neun-Millionen-Einwohner-Land wurden bereits mehr als 187.000 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen, 1236 Infizierte starben.

Agenturen