Berlin: Bundesaußenminister Heiko Maas  am 17. April 2020.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat am Donnerstag seine Unterstützung für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekräftigt. Die WHO in der aktuellen Corona-Krise zu schwächen, sei „wie in einem laufenden Flug den Piloten aus dem Flugzeug zu werfen“, sagte er in Berlin nach einem Gespräch mit Vertretern der Allianz für den Multilateralismus.
Alle Gesprächsteilnehmer seien sich einig gewesen, dass die WHO vielmehr gestärkt werden müsse. Jetzt sei „der denkbar schlechteste Zeitpunkt“, sie in Frage zu stellen, sagte Maas weiter. Die WHO sei das „Rückgrat“ der internationalen Virusbekämpfung.
Maas reagierte damit auf die Ankündigung der USA, ihre Zahlungen an die WHO einzustellen. Auf die Frage, ob Deutschland deshalb seine Zahlungen erhöhen werde, sagte der Außenminister, er halte es für falsch in so einem Falle „sofort einzuspringen“. Dies könne als „Ermunterung“ verstanden werden, sich aus internationalen Organisationen zurückzuziehen.
Zugleich betonte Maas aber, Deutschland habe seine Beiträge an die WHO bereits erhöht und sei bereit, sie weiter hochzufahren. Darüber liefen Gespräche innerhalb der Bundesregierung.
Maas: WHO hat sich „korrekt verhalten“
Den Vorwurf der USA, die WHO habe in der Corona-Krise gravierende Fehler gemacht, wies Maas ebenfalls zurück. Seiner Wahrnehmung nach habe sich die Organisation „korrekt verhalten“. Er äußerte die Hoffnung auf Gespräche zwischen de USA und der WHO, um einen „Ausweg“ aus dem aktuellen Streit zu finden.
Maas äußerte sich auch zu der wegen der Corona-Pandemie ausgesprochenen Reisewarnung für die ganze Welt. Diese gilt vorerst bis einschließlich den 3. Mai. Die Gründe für die Warnung „dauern fort“ und die Entwicklungen der nächsten Woche seien „nicht absehbar“. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen könne erste Ende April oder Anfang Mai getroffen werden.
Der Außenminister hatte zuvor eine Videokonferenz mit Kollegen aus zahlreichen Ländern abgehalten, die der Allianz für den Multilateralismus angehören. Dieses lose Bündnis hatten Deutschland und Frankreich im April 2019 ins Leben gerufen. Es setzt sich für mehr internationale Zusammenarbeit ein.
Kritik an China aus London und Washington

Indes hinterfragen Großbritannien und seine Verbündeten die Transparenz Chinas in der Corona-Pandemie. Sie würden China wegen des Coronavirus-Ausbruchs harte Fragen stellen, versprach der britische Außenminister Dominic Raab am Donnerstag und fügte hinzu: „Wir können nach dieser Krise nicht zur Tagesordnung übergehen.“
„Wir müssen die harten Fragen darüber stellen, wie es dazu kam und wie es nicht früher hätte gestoppt werden können“, sagte Raab auf einer Pressekonferenz in der Downing Street, als er nach den künftigen Beziehungen zu Peking gefragt wurde.

Das Virus tauchte Ende 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan auf. Raab sagte, die Welt müsse herausfinden, was in China in den ersten Tagen der Pandemie geschah.

US-Verteidigungsminister Mark Esper warf China vor, die Welt über den Ursprung des neuartigen Coronavirus „in die Irre zu führen“ und undurchsichtig vorzugehen.

Auf die Frage in einem Fernsehinterview, ob es möglich sei, dass das neuartige Coronavirus aus einem chinesischen Labor stammt, sagte Esper jedoch, „die Ergebnisse seien nicht schlüssig“. „Das ist etwas, das wir schon seit einiger Zeit beobachten.“

TRT Deutsch und Agenturen