Beirut: Mehr als 60 Vermisste - Trump nimmt an Libanon-Geberkonferenz teil

Vier Tage nach den verheerenden Explosionen in Beirut werden in der libanesischen Hauptstadt immer noch mehr als 60 Menschen vermisst. Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums sprach am Samstag von 154 Toten und mehr als 60 Vermissten. Rettungskräfte aus dem Libanon, Deutschland, Frankreich, Russland und vielen anderen Ländern suchten in den Trümmern weiter nach Überlebenden. Am Dienstagabend hatten zwei gewaltige Explosionen den Hafen von Beirut erschüttert. Nach bisherigen Angaben der Behörden wurden dabei 154 Menschen getötet und mehr als 5000 verletzt. 25 Tote konnten nach Angaben des Gesundheitsministeriums bisher nicht identifiziert werden. Von den mehr als 5000 Verletzten schwebten nach Angaben des Gesundheitsministeriums am Freitag noch mindestens 120 in Lebensgefahr. Rund 300.000 Menschen wurden obdachlos, halb Beirut ist zerstört oder beschädigt. Viele Libanesen sehen die Katastrophe als Beleg für das Versagen und die Korruption der politischen Führung. Der Libanon steckt schon seit Jahren in einer schweren Wirtschafts- und Währungskrise. Schon seit Monaten gibt es immer wieder Massenproteste gegen die Regierung. Zu einer Großdemonstration an diesem Samstag in Beirut werden mehrere tausend Menschen erwartet. Nach Regierungsangaben waren am Dienstag 2750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, das jahrelang ohne geeignete Vorsichtsmaßnahmen im Hafen gelagert gewesen war. Ammoniumnitrat kann für Düngemittel oder zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden. Die genauen Ursachen der Katastrophe sind noch ungeklärt. 16 Mitarbeiter der Zoll- und Hafenbehörde wurden festgenommen.

US-Präsident sagt libanesischem Kollegen Aoun Unterstützung zu

US-Präsident Donald Trump hat seine Teilnahme an der von Frankreich organisierten internationalen Geberkonferenz für den Libanon zugesagt. „Alle wollen helfen“, schrieb Trump am Freitag nach einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen Emmanuel Macron im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er werde sich am Sonntag an der Videokonferenz mit Macron sowie Vertretern der libanesischen Regierung und zahlreicher anderer Länder beteiligten. In einem Telefonat mit seinem libanesischen Kollegen Michel Aoun bekundete Trump am Freitag seine Anteilnahme. Er sicherte Aoun die Unterstützung der USA zu. Drei Flugzeuge mit Hilfsgütern an Bord sowie medizinisches Personal und weitere Einsatzkräfte seien bereits auf dem Weg in den Libanon. Am Freitag trafen Hilfslieferungen aus dem Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Beirut ein. Zuvor waren bereits Flugzeuge aus Frankreich, Kuwait, Katar und Russland in der libanesischen Hauptstadt gelandet. Deutschland ist unter anderem mit Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks und der Bundeswehr vor Ort. Bei der von Macron initiierten Videokonferenz sollen Spenden für die humanitäre Nothilfe im Libanon gesammelt werden. Für die EU, die dem Libanon bereits 33 Millionen Euro Soforthilfe zugesichert hat, werden Ratspräsident Charles Michel und der Kommissar für humanitäre Hilfe, Janez Lenarcic, an der Videokonferenz teilnehmen.

AFP