Die Türkei weist die Androhung von Sanktionen seitens Frankreich zurück und fordert eine gleichmäßige Verteilung der Ressourcen im östlichen Mittelmeerraum. Dafür sprach sich der Sprecher des türkischen Präsidenten, İbrahim Kalın, aus. Hintergrund sind die Vorwürfe des französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Donnerstag.

„Wir akzeptieren niemals Drohungen oder Sanktionen“, unterstrich Kalın bei einem Online-Politikbriefing durch das „European Policy Centre“ in Zusammenarbeit mit dem türkischen Amt für Außenwirtschaftsbeziehungen (DEİK).

Seine Kommentare erfolgten, nachdem Macron die EU aufgefordert hatte, die Türkei zu sanktionieren. Macron unterstellte der Türkei „Verletzungen“ der griechischen und zyprischen Hoheitsgewässer. Zudem sieht er die EU in der Libyen-Krise in Zugzwang.

Kalın hob hervor, dass die Türkei sich der Droh-Rhetorik widersetze und für eine gleichmäßige Verteilung der Ressourcen eintrete. „Die ‚maximalistische‘ Position der griechischen Seite behauptet, dass die Insel Kastellorizo - nur 2 Kilometer von der türkischen Küste entfernt und etwa 580 Kilometer vom griechischen Festland entfernt - eine 40.000 Quadratkilometer große Festlandsockelfläche haben sollte, was fast der Hälfte des türkischen Golfs von Antalya entspricht“, kritisierte er.

Frankreich bedroht NATO-Südflanke

Macron habe mit seiner aggressiven libyschen Politik seine Führungsrolle in Nordafrika unter Beweis stellen wollen, da er diese Führung in Europa nicht erreichen könne, kritisierte Kalın. Dabei bedrohe die Unterstützung Frankreichs für den libyschen Warlord Khalifa Haftar die Sicherheit der NATO im Süden, betonte der Präsidentensprecher.

Die Türkei könne nicht durch Sanktionen bedroht werden, sagte der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Hami Aksoy, am Donnerstag und bezog sich ebenso auf die Stellungnahme von Macron. „Frankreich sollte den Größenwahn aufgeben und stattdessen eine rationale, auf gesundem Menschenverstand basierende Politik verfolgen.“

„Die Erklärungen von Präsident Macron haben keinen Wert für unser Land“, erklärte er weiter. Die Drohungen „werden kein Ergebnis haben.“

Frankreich verliert „Unparteilichkeit“

„Mit jedem Statement, die es abgegeben hat, und mit jedem falschen Schritt, den es in Bezug auf die jüngsten Entwicklungen im östlichen Mittelmeerraum unternommen hat, verliert Frankreich weiterhin seine Unparteilichkeit und seine Chance, zur Stabilität in der Region beizutragen“, hieß es in der schriftlichen Erklärung.

In Bezug auf Libyen werde von Frankreich erwartet, dass es zwischen der legitimen Regierung, die von der internationalen Gemeinschaft auf der Grundlage von UN-Resolutionen anerkannt werde, und Haftar unterscheide, sagte er.

Aksoy forderte Frankreich auf, „die Putschisten in Libyen, die Terroristen in Syrien und diejenigen, die die Linie verfolgen, ‚die alleinigen Eigentümer‘ im östlichen Mittelmeerraum zu sein“, nicht länger zu unterstützen. Frankreich müsste inzwischen festgestellt haben, dass eine solche konfrontative Politik bisher nichts bewirkt habe.

Die Türkei, die bei dieser Gelegenheit erneut zum Dialog und zur Zusammenarbeit aufrufe, werde nicht zögern, ihre Rechte, die sich aus dem Völkerrecht ergeben würden, zu schützen, erklärte Aksoy.

TRT Deutsch