Rumänien fordert angesichts der Coronavirus-Ausbrüche in der Fleischindustrie einen besseren Schutz seiner Staatsbürger in deutschen Schlachthöfen. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten müssen „dringend verbessert werden“, verlangte der rumänische Botschafter in Berlin, Emil Hurezeanu, im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Mittwoch.

Die Kritik an den Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie sei „zu Recht immer heftiger“ geworden. Beim Fleischkonzern Tönnies im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück ist es zu einem massiven Corona-Ausbruch mit mehr als 1550 positiv getesteten Beschäftigten gekommen.

Hurezeanu sagte, die Hälfte der infizierten Mitarbeiter seien rumänische Staatsangehörige. Sein Land erwarte daher, dass die Bundesregierung gesetzliche Vorhaben zur besseren Regulierung der Branche umsetze.

Rumänien begrüße „das Vorhaben der Bundesregierung zu einer stärkeren Regulierung der Beschäftigung in den Schlachtbetrieben“, sagte der Botschafter. Es führe „hoffentlich zu mehr Transparenz und Überschaubarkeit“ bei den Arbeitsbedingungen sowie „zu mehr Verantwortung der Unternehmen“. Notwendig sei aber auch eine Verstärkung der Kontrollen durch die Behörden vor Ort.

Die Zustände in der deutschen Fleischindustrie stehen seit Jahren in der Kritik. Die Bundesregierung hatte bereits im Mai neue Auflagen auf den Weg gebracht. Vorgesehen ist unter anderem ein Verbot von Werkverträgen, das jedoch erst ab dem 1. Januar 2021 gelten soll.

Danach sollen nur Angestellte des eigenen Betriebs Tiere schlachten und zerlegen dürfen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will Verabschiedung und Inkrafttreten des Gesetzes nun vorziehen.

Am Dienstag kündigten die drei großen Konzerne Tönnies, Westfleisch und PHW mit der Marke Wiesenhof an, künftig auf Werkverträge in maßgeblichen Bereichen zu verzichten. Tönnies und Westfleisch stellten auch Verbesserungen bei der Unterbringung der Arbeiter in Aussicht.

AFP