Als Zeichen der Solidarität und Toleranz hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine Ditib-Moschee in der Stadt Röthenbach besucht. Die muslimische Gemeinde erhielt Anfang März einen rechtsextremistischen Drohbrief – der Fall wurde aufgeklärt.

Der Minister rief beim Besuch der Moschee zum friedlichen Zusammenleben auf. Er forderte Respekt „vor den Eigenheiten jedes Mitbürgers“. „Natürlich ist unser Land von der christlichen Tradition geprägt, aber wir respektieren, wenn Menschen einer anderen Religion angehören. Wir erwarten von jedem, dass er unsere Religionsfreiheit respektiert, und das müssen wir auch selbst vorbildlich leben“, fügte Hermann hinzu.

Der Innenminister verwies bei seiner Ansprache auf den Rechtsextremismus als Deutschlands größte politisch motivierte Gefahr. Die Zahl rechtsextremer Straftaten sei in Bayern gestiegen.

Islam als Feindbild dargestellt

Recep Çalık, Vorsitzender der türkisch-muslimischen Ditib-Gemeinde in Röthenbach, dankte dem Innenminister für sein Engagement im Hinblick auf die polizeiliche Aufklärung des Drohbriefs. Inzwischen haben Sicherheitsbehörden die Ermittlungen gegen eine tatverdächtige 54-jährige Person aufgenommen, die im Dunstkreis der Neonazi-Partei „Der III. Weg“ und einer Rocker-Gruppierung stehen soll.

Çalık erinnerte in diesem Zusammenhang auch daran, dass der Islam zunehmend zu einem Feindbild stilisiert werde. So würden Frauen mit Kopftuch immer häufiger „blöd angeschaut“, zitiert ihn das Nachrichtenportal „BR24“. „Wir leben hier seit 60 Jahren, sind überwiegend hier geboren, aber wir werden immer noch als Gäste angesehen.“

Nach Angaben von „BR24“ planen die örtlichen muslimischen Vereine zusammen mit den christlichen Vereinen ein gemeinsames Friedensfest. Das kündigte der Bürgermeister der Stadt an. Das Fest soll nach der Corona-Krise stattfinden.


TRT Deutsch