Malta, Senglea, im Hafen von Valletta, am 10. April 2020: Ein Soldat der maltesischen Streitkräfte in Coronavirus-Schutzkleidung und gerettete Migranten auf einem Militärschiff

Nach internationalen Protesten hat Malta mehr als 400 Migranten in den Hafen einlaufen lassen. Die meisten von ihnen saßen seit Wochen auf kleinen Quarantäne-Schiffen vor dem Mittelmeerland fest. Zugleich warf die Regierung in Valletta den anderen EU-Staaten mangelnde Solidarität vor. „Die Regierung ist nicht gewillt, das Leben sowohl der Migranten als auch der Besatzung zu gefährden, angesichts der Tatsache, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union bei der Übernahme keine Solidarität zeigen“, hieß es in der Mitteilung vom späten Samstag.
„Kein europäisches Land will diese Migranten aufnehmen, obwohl von Solidarität die Rede war“, schrieb die Regierung über die rund 425 Betroffenen. Als erstes lief die ursprünglich als Touristenboot genutzte „Europa II“ in einen Hafen nahe Valletta ein, wie die Zeitung „Times of Malta“ am Sonntag berichtete. Das Schiff sei von zwei Patrouillenbooten begleitet worden. Die Menschen durften an Land gehen.
Regierungschef Robert Abela bestätigte am Sonntag, dass sich die Lage auf der „Europa II“ zuvor zugespitzt hatte. Migranten hätten zu Messern gegriffen und gedroht, eine Gasflasche zu sprengen und die Crew zu kidnappen. „Sie gaben uns eine halbe Stunde Zeit, um zu handeln“, sagte Abela. Maltas Regierung hat vier Touristenboote gemietet, um Migranten außerhalb der eigenen Hoheitsgewässer für eine Corona-Quarantäne festzuhalten. Einige waren seit dem 30. April an Bord.
Hilfsorganisationen und die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatović, hatten das Vorgehen scharf kritisiert. Die Regierung erklärte, es liefen weiterhin „intensive Verhandlungen mit anderen EU-Mitgliedstaaten über die Übernahme“. Die Kommissarin bekräftigte, es bleibe ungeachtet aller Herausforderungen von größter Wichtigkeit, dass keine Maßnahme der Mitgliedstaaten des Europarates, weder direkt noch indirekt, zur Rückkehr von Migranten auf See an Orte führt, an denen sie schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind.
Malta hatte ähnlich wie Italien während der Coronavirus-Pandemie erklärt, es könne keine sicheren Häfen mehr für Migranten bieten. Diese starten häufig in Booten von Libyen. Viele geraten in Seenot. Das EU-Land macht seit langem Druck auf Brüssel und andere Regierungen, um Ankömmlinge schnell weiterschicken zu dürfen.

TRT Deutsch und Agenturen