Gaza: Hilfsorganisationen klagen über zunehmend schwierige Bedingungen / Photo: AA (AA)
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Im Zuge der israelischen Angriffe beklagen internationale Hilfsorganisationen in Gaza eine zunehmend schwierige Situation für ihre Arbeit. Tausende Menschen seien in mehrere Lagerhäuser und Verteilungszentren des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) in mittleren und südlichen Gebieten des Gazastreifens eingebrochen, teilte UNRWA am Sonntag in Rafah mit. UN-Generalsekretär António Guterres bekräftigte seinen Aufruf zu einem sofortigen Waffenstillstand.

In Gaza spiele sich eine humanitäre Katastrophe ab, teilte Guterres am Samstag auf X, vormals Twitter, mit. Er forderte eine bedingungslose Freilassung der israelischen Geiseln und die Bereitstellung von Hilfsgütern für Gaza. Vom UNRWA hieß es weiter, dass die Plünderer in Gaza Weizenmehl und andere lebensnotwendige Dinge wie Hygieneartikel an sich genommen hätten. In einem der Lagerhäuser in Deir al-Balah lagere das Hilfswerk Vorräte der humanitären Konvois aus Ägypten. Thomas White, Direktor für UNRWA-Angelegenheiten im Gazastreifen, sagte, die Plünderungen seien „ein besorgniserregendes Zeichen dafür, dass die zivile Ordnung nach drei Wochen Krieg und einer strengen Belagerung des Gazastreifens droht, zusammenzubrechen“. Die Menschen seien verängstigt, frustriert und verzweifelt.

Nachdem der Kontakt zu Mitarbeitern wegen des Zusammenbruchs des Telekommunikationsnetzes in Gaza zeitweise unterbrochen war, teilte das UN-Welternährungsprogramm am Sonntag auf X mit, dass sich die Lage zwischenzeitlich wieder verbessert habe. Die Geschäftsführerin der Organisation, Cindy McCain, erklärte, die Mitarbeiter in Gaza arbeiteten rund um die Uhr daran, Lebensmittel so schnell wie möglich zu verteilen.

WHO fordert „sofortigen humanitären Waffenstillstand“

Auch der Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, schrieb am Sonntag auf X, dass die Hilfsorganisation es wieder geschafft habe, Kontakt zu allen Kollegen in Gaza aufzunehmen. Er forderte erneut einen „sofortigen humanitären Waffenstillstand, den Schutz von Gesundheitseinrichtungen und humanitären Helfern“. Auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef konnte wieder wenige seiner Mitarbeiter im Gaza-Streifen kontaktieren, wie die Organisation am Sonntag auf X mitteilte. Am Samstag beklagten WHO und Unicef, dass sie den Kontakt zu Mitarbeitern in Gaza verloren hätten. Das palästinensische Telekommunikationsunternehmen Paltel schrieb am Sonntag auf X, dass Festnetz, Mobilfunk und Internet im Gaza-Streifen schrittweise wiederhergestellt würden.

Nach UN-Schätzungen sind innerhalb des Gaza-Streifens rund 1,4 Millionen Menschen vor der Gewalt geflüchtet. Fast 590.000 von ihnen seien in 150 UNRWA-Notunterkünften untergebracht, hieß es. Die Überbelegung sei ein wachsendes Problem, die durchschnittliche Zahl der Binnenflüchtlinge pro Unterkunft habe das 2,6-Fache der vorgesehenen Kapazität erreicht.

Mehr als 8000 Palästinenser durch Israels Angriffe getötet

Israel hatte zuletzt die Versorgung des Gazastreifens mit Wasser, Lebensmitteln, Treibstoff und Strom gestoppt und zugleich massive Luftangriffe gestartet. Die israelische Regierung plant nun einen Großangriff mit Bodentruppen. Der rund 40 Kilometer lange und etwa sechs bis zwölf Kilometer breite Küstenstreifen gilt als eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt. Etwa 2,4 Millionen Menschen leben dort.

Die im Gazastreifen regierende Hamas startet am 7. Oktober die „Operation Al-Aqsa-Flut“. Nach Angaben der Widerstandsorganisation reagierten die Kämpfer damit auf die israelischen Übergriffe auf die Al-Aqsa-Moschee und die zunehmende Gewalt der illegalen Siedler gegen Palästinenser. Erklärtes Ziel ist aber auch die Aufhebung der israelischen Belagerung.

Nach Angaben der Behörden in Gaza wurden dort seit dem 7. Oktober insgesamt 8.306 Menschen getötet, darunter mehr als die Hälfte Frauen und Kinder. 20.242 weitere wurden demnach verletzt. In Israel verloren rund 1400 Menschen ihr Leben, wie israelische Sicherheitskreise berichten. 5431 weitere seien verletzt worden.

TRT Deutsch und Agenturen