Laut dem aserbaidschanischen Verteidigungsministerium haben Streitkräfte des Landes armenische Stellungen in der Region Tovuz an der Grenze zwischen Aserbaidschan und Armenien am Montagmorgen zerstört. Zuvor wurden bei Zusammenstößen am Sonntag vier aserbaidschanische Soldaten getötet und vier verwundet.

In einer Erklärung teilte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium mit, die Waffenstillstandsverletzungen durch armenische Soldaten dauerten bis Montagmorgen an.

Laut Baku zerstörten aserbaidschanische Streitkräfte mit Hilfe von Artillerie und Panzern einen Stützpunkt, Artillerieeinrichtungen und Fahrzeugeinrichtungen und töteten mehrere Soldaten auf dem Gebiet des armenischen Militärs. Auch Luftaufnahmen vom Angriff veröffentlichte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium. Die Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums, Shushan Stepanyan, sagte am Montag, dass zwei armenische Truppen verwundet worden seien.

Die aserbaidschanische Seite teilte mit, dass vier Soldaten seit Sonntag bei armenischem Beschuss getötet wurden und ein weiterer Soldat später in einem Krankenhaus starb. Fünf aserbaidschanische Soldaten seien verwundet worden.

Der armenische Premierminister Nikol Pashinian unterstellte Aserbaidschan, die Zusammenstöße provoziert zu haben. Er warnte, dass das Land „die Verantwortung für die unvorhersehbaren Folgen tragen werde“.

Armeniens Verteidigungsminister David Tonoyan soll wiederum gesagt haben, Eriwan werde „auf aserbaidschanische Aktionen reagieren“. Dabei behalte sich Armenien auch die militärische Einnahme neuer vorteilhafter Positionen vor.

Indes besprach der armenische Außenminister Zohrab Mnatsakanyan die Krise am Telefon mit dem Vorsitzenden der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (CSTO), eines von Moskau geführten Militärblocks.

Der aserbaidschanische Präsident Ilhan Alijew prangerte die jüngsten Zusammenstöße an. Er bezeichnete sie als „eine weitere Provokation Armeniens“ und versprach, das aserbaidschanische Staatsgebiet zu schützen.

Unter Bezugnahme auf das von Russland angeführte Militärbündnis erklärte Alijews Büro am Sonntag, das „militärische Abenteuer“ Armeniens ziele darauf ab, die CSTO in die Kämpfe hineinzuziehen.

Türkei steht Aserbaidschan zur Seite

Das türkische Außenministerium forderte Armenien am Montag auf, zur Vernunft zu kommen und die Angriffe auf Aserbaidschan einzustellen. „Die Türkei wird Aserbaidschan in seinem Kampf zum Schutz seiner territorialen Integrität weiterhin mit all ihren Kapazitäten zur Seite stehen“, sagte das Ministerium.

Die militärischen Auseinandersetzungen fanden geografisch weit von der Konflikt-Region Karabach entfernt statt. „Aus diesem [Vorfall] sehen wir, dass Armenien durch die Schaffung neuer Konfliktgebiete die Aufmerksamkeit auf andere Orte lenken will, insbesondere weg von den Ländern, die es [bereits] besetzt hat“, fügte das türkische Außenamt hinzu.

Das russische Außenministerium hat in Moskau „ernsthafte Besorgnis“ über den Ausbruch der Kämpfe geäußert und vor einer weiteren Eskalation gewarnt, die die regionale Sicherheit untergraben könnte.

Die Vereinigten Staaten verurteilten ebenso die Gewalt. „Wir fordern die Seiten eindringlich auf, die Gewaltanwendung unverzüglich einzustellen, die bestehenden direkten Kommunikationsverbindungen zwischen ihnen zu nutzen, um eine weitere Eskalation zu vermeiden, und sich strikt an den Waffenstillstand zu halten“, sagte Pressesprecherin des Außenministeriums, Morgan Ortagus, in einer Erklärung.

Die ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan befinden sich seit Jahrzehnten in einem schwelenden Konflikt um Berg-Karabach, ein abtrünniges Gebiet, das in den 1990er Jahren im Zentrum eines blutigen Krieges stand. Berg-Karabach ist das international anerkannte Staatsgebiet Aserbaidschans, das seit 1991 von Armenien illegal militärisch besetzt wird.

Armenien will aus geopolitischen Gründen, dass der Karabach-Konflikt eingefroren bleibt. Das entspricht auch den Interessen Russlands, da der Kreml auf diese Weise die Rolle als mächtiger Vermittler missbrauchen kann, um seinen Einfluss in den ehemaligen Sowjetrepubliken geltend zu machen.


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