Symbolbild: Zahlreiche Banknoten zu 10, 20 und 50 Euro liegen auf einem Tisch. (DPA)

Der in Paris ansässige Forscher David Selim Sayers hat erhebliche europäische Geldflüsse an die umstrittene türkische „Akademie im Exil“ und damit zusammenhängende Ungereimtheiten bezüglich ihrer Verwendung enthüllt. Am Freitag teilte er die Ergebnisse seiner Recherche auf der Internetseite der von ihm geleiteten Einrichtung „The Paris Institute for Critical Thinking“ mit. In seinem Bericht dokumentiert er eine Fördersumme von insgesamt mindestens 4,3 Millionen Euro, die seit dessen Gründung im Jahr 2017 an das Netzwerk geflossen sein.

Vetternwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen?

Die „Akademie im Exil“ steht der Initiative „Akademiker für den Frieden“ nahe, die in der Türkei eine fundamentaloppositionelle Agenda verfolgt. Mehrere ihrer Angehörigen sind in der Türkei bereits unter anderem wegen des Verdachts der Beleidigung der Türkei und terroristischer Propaganda ins Visier der Justiz geraten.

Sayers sieht die frühere Leiterin des Instituts für Turkistik an der Universität Duisburg-Essen, Kader Konuk, im Zentrum der Beschaffung der von ihm offengelegten Fördergelder für die „Akademie im Exil“. Anlass für die intensiven Recherchen von Sayers sei eigenen Angaben zufolge die Ablehnung gewesen, die er nach seiner Bewerbung auf einen freien Posten am genannten Institut für Turkistik erhalten hatte.

Auf der Suche nach den Gründen für seine Ablehnung sei er auf Ungereimtheiten im Bewerbungsprozess gestoßen. So hätten sich am Schluss drei Kandidaten durchgesetzt, die mit der damaligen Turistik-Direktorin Konuk zweierlei gemeinsam hatten: Alle drei waren ebenso wie Konuk selbst in der Initiative „Akademie für Exil“ engagiert und hatten beispielsweise 2016 eine Petition unterzeichnet, in der der Türkei vermeintliche „Massaker“ im Zusammenhang mit dem Antiterroreinsatz gegen die PKK vorgeworfen worden waren.

Nachdem Sayers mit Nachdruck den fraglichen Bewerbungsprozess um den Posten an der Universität Duisburg-Essen offengelegt habe, sei Konuk vom Posten der Leiterin der Turkistik entfernt worden. Sie wird nunmehr als „stellvertretende Direktorin“ aufgeführt. Mehr als 4,3 Millionen Euro für „Akademie im Exil“

Die Recherchen von Sayers enthüllen jedoch nicht nur Protektionswirtschaft, wie sie Konuk offenbar an der Universität betrieben oder zumindest geduldet hatte. Die 4,3 Millionen Euro, die an die von ihr gegründete „Akademie im Exil“ von Juli 2017 bis März 2021 geflossen seien, stammten aus illustren Quellen. Unter den Förderern befinden sich laut Sayers unter anderem die Volkswagenstiftung oder die vom US-Milliardär und Philanthropen George Soros gegründeten „Open Society Foundations“. Auch dessen „Central European University“ stehe in engem Kontakt mit der „Akademie im Exil“.

„Und wohin ist das ganze Geld geflossen?“, fragte Sayers im Zusammenhang mit seiner Recherche. Seinen eigenen Berechnungen zufolge wurden über drei Millionen Euro an öffentlichen Geldern zur Finanzierung von Akademikern ausgegeben, die angeblich „bedroht“ seien. Der „Risikostatus“ für jene Personen sei jedoch nach willkürlichen Kriterien festgelegt worden, moniert Sayers. Bei dem restlichen Betrag von etwa einer Million Euro sei der Verwendungszweck noch völlig unbekannt. „Was ist mit diesem Geld passiert?“, will Sayers wissen.

TRT Deutsch