Der syrische Ableger der Terrororganisation PKK begeht Kriegsverbrechen an Kindern. Die Terrorgruppe YPG habe Kinder entführt und sie gewaltsam rekrutiert, erklärte die Nationalkoalition syrischer Revolutions- und Oppositionskräfte - kurz Syrische Nationalkoalition - am Dienstag.

Die Syrische Nationalkoalition ist die Dachorganisation für die oppositionellen Kräfte gegen das Baschar-Assad-Regime. Entführung und Rekurtierung von Kindern sei ein Kriegsverbrechen, hieß in der Erklärung. Die YPG-Terroristen seien schlimmer als die Daesh und müssten neu bewertet werden. Dabei kritisierte das Oppositionsbündnis die Unterstützung des Westens für die Terrorgruppe - vor allem durch die USA.

Es müssten Schritte eingeleitet werden, die Kinder vor terroristischen Organisationen besser zu schützen. Die Terrorgruppe solle vor Gericht gestellt und verurteilt werden, forderten sie. Die YPG/PKK habe sich in den letzten Monaten besonders auf die Entführung von Kindern konzentriert. Im Juni habe die Terrorgruppe mehrere Kinder im Alter zwischen 11 und 17 Jahren entführt. Die Familien sehnten sich derweil nach der Freilassung ihrer minderjährigen Angehörigen, hieß es weiter.

Nichte von PYD-Führer

Ein prominentes Beispiel des Kindesmissbrauchs durch die YPG/PKK geriet kürzlich in die Schlagzeilen. Die 21-jährige Nichte des ehemaligen Chefs der PYD, Dalya Mahmut Muslum, legte ein erschütterndes Geständnis ab. Sie hatte sich den türkischen Sicherheitskräften in der südlichen Provinz Mersin ergeben. Die PYD ist ein Zweig der YPG/PKK-Terrorgruppe und wird von Salih Muslum angeführt.

Laut Dalya Muslum versprach ihr Vater, Mahmut Muslim, der Terrorgruppe ein Kind zu „schenken“. Deshalb habe sie 2013 der YPG/PKK beitreten müssen – sie sei damals erst 14 Jahre alt gewesen. Nach dem Beitritt sei sie zunächst in einem „Kinderlager“ in der ostsyrischen Provinz Qamischli untergebracht worden.

Der Einsatz von Kindersoldaten durch die YPG/PKK wurde wiederholt dokumentiert und von internationalen Menschenrechtsorganisationen kritisiert, darunter Amnesty International und Human Rights Watch (HRW). Berichten zufolge zwingt die Gruppe Familien, ihre Kinder ausliefern, oder entführt diese regelrecht. Danach kommen sie in Trainingslager, wo ihnen der Kontakt zu ihren Familien verwehrt wird.

In der südosttürkischen Stadt Diyarbakır protestieren kurdische Mütter seit fast 11 Monaten gegen die Entführung ihrer Kinder durch die YPG/PKK - mit einem Sitzstreik vor dem Büro der PKK-nahen Partei HDP.

Im Jahr 2018 deckte ein UN-Jahresbericht über Kinder in bewaffneten Konflikten 224 Fälle von Kinderrekrutierung durch die YPG/PKK auf. Zwischen Januar und Dezember 2017 stieg die Zahl im Vergleich zu den Vorjahren auf ein Fünffaches an.

Die HRW dokumentierte auch, die Terrorgruppe rekrutiere trotz der Einwände der Familien weiterhin Kinder. Eltern würden daran gehindert, mit ihren Kindern in Kontakt zu treten. Laut der Menschenrechtsorganisation hat die YPG/PKK auch gefoltert. Den Kindern seien zudem der Schulbesuch und eine medizinische Versorgung verwehrt worden. Die Vierte Genfer Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten verbietet den Einsatz von Kindern unter 15 Jahren als Soldaten.

In ihrer mehr als 40-jährigen Terrorkampagne gegen die Türkei hat die PKK den Tod von mehr als 40.000 Menschen zu verantworten - darunter Frauen, Kinder und Kleinkinder. Sie wird von der Türkei, den USA und der Europäischen Union als terroristische Organisation gelistet. Die YPG und PYD sind die syrischen Ableger der PKK.

TRT Deutsch