Wirecard-Ausschuss: Merkel soll Ende April aussagen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll Ende April als Zeugin im Untersuchungsausschuss zum Milliarden-Bilanzskandal beim früheren Dax-Unternehmen Wirecard aussagen. Ihre Aussage sei für den 23. April vorgesehen. Einen Tag zuvor soll Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) aussagen. Die Zeugenaussage von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist für den 20. April geplant.

Das aufstrebende Fintech Wirecard hatte im vergangenen Sommer ein Bilanzloch von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und danach Insolvenz angemeldet. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft könnte es sich um jahrelangen Betrug und eine noch viel größere Summe handeln. Nach dem aufgedeckten Bilanzskandal flog Wirecard aus dem Dax. Weil der Skandal über Jahre unentdeckt blieb, stehen unter anderem die Finanzaufsicht Bafin und Wirtschaftsprüfer von EY in der Kritik. Merkel soll aussagen, weil sie sich auf einer Chinareise für Wirecard stark machte, obwohl es damals bereits - vor allem in Presseberichten - Zweifel an der Integrität des Unternehmens gab.

Wirecard-Ausschuss setzt Sonderermittler für EY-Akten ein

Der Untersuchungsausschuss bei Wirecard beruft zudem einen Sonderermittler, um Akten der Wirtschaftsprüfer EY auszuwerten. Die Obleute des Ausschusses verständigten sich am Mittwoch auf Martin Wambach. Zuvor hatte die „Wirtschaftswoche“ darüber berichtet. Wambach ist selbst Wirtschaftsprüfer und geschäftsführender Partner einer internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit weltweit gut 5000 Mitarbeitern. Er ist zudem im Vorstand des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland.

Der Sonderermittler soll den Bundestagsabgeordneten helfen, die von EY zur Verfügung gestellten Akten zu sichten und zu bewerten. Diese Akten seien schwer zu überblicken, hatten Abgeordnete zuvor kritisiert. Es geht um mehrere zehntausend Dokumente aus den Jahren 2014 bis 2020, in denen EY das damals aufstrebende Fintech Wirecard geprüft hatte. EY steht in der Kritik, weil die Wirtschaftsprüfer die Wirecard-Bilanzen jahrelang uneingeschränkt testierten und den mutmaßlichen Betrug offenkundig nicht bemerkten.


DPA