Am Vorabend des Holocaust-Gedenktags ist eine von der israelischen Botschaft in Berlin organisierte Video-Diskussion mit einem Überlebenden gestört worden. Botschafter Jeremy Issacharoff schrieb am Dienstag auf Twitter, „anti-israelische Aktivisten“ hätten am Montag den Vortrag des aus Israel zugeschalteten Zvi Herschel unterbrochen, Bilder von Adolf Hitler gezeigt und antisemitische Slogansgerufen. „Die Veranstaltung musste unterbrochen werden.“ Nach einer kurzen Pause habe man sie aber ohne die Störer fortsetzen können, schrieb Issacharoff.

Die Veranstaltung auf der Online-Plattform Zoom war vor wenigen Tagen von der Botschaft auf Facebook angekündigt worden und nach Angaben einer Sprecherin zunächst offen für alle Interessenten. Die Botschaft erwäge nun, Anzeige gegen die Störer zu erstatten, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Video- oder Tonaufnahmen von der Veranstaltung gebe es nicht.

Die Störung der Gedenkveranstaltung löste in der jüdischen Gemeinde in Deutschland, aber auch in der Bundesregierung Empörung aus. „Was für eine bodenlose Respektlosigkeit gegenüber den Überlebenden und dem Gedenken an die Verstorbenen“, schrieb Außenminister Heiko Maas auf Twitter. „Das ist eine unbeschreibliche Schande!“

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich ebenfalls entsetzt. Er begrüßte es, dass die israelische Botschaft angesichts der Corona-Auflagen mit der Online-Gedenkveranstaltung neue Wege gegangen sei. „Dass Störer dieses Angebot missbrauchen, das Gedenken an den Holocaust verunglimpfen und sogar Überlebende respektlos behandeln, erschüttert mich“, sagte er der dpa. „Ich kann die israelische Botschaft nur ermutigen, falls noch nicht geschehen, Anzeige zu erstatten und hoffe auf einen schnellen Fahndungserfolg.“

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte: „Der Vorfall bei der Online-Gedenkfeier der israelischen Botschaft bestätigt alle Befürchtungen: Rechtsradikale nutzen die Corona-Krise skrupellos aus, um ihr braunes Gift zu verbreiten. Dabei schrecken sie wie immer nicht davor zurück, das Leiden der Schoa-Überlebenden mit Füßen zu treten und sie erneut zutiefst zu verletzen.“ Einen ähnlichen Vorfall habe es jüngst auch in der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf bei einer religiösen Online-Zeremonie gegeben. „So sehr die staatlichen Ressourcen durch die Pandemie gebunden sind, darf trotzdem der Kampf gegen den Rechtsextremismus nicht vernachlässigt werden.“

In Israel wurde am Dienstag der Holocaust-Gedenktag begangen. Landesweit heulten am Vormittag zwei Minuten lang die Sirenen. Menschen, die trotz der Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie unterwegs waren, hielten im Gedenken an die sechs Millionen durch die Nazis ermordeten Juden inne.

DPA