Bundesinnenminister Horst Seehofer fordert wegen der Corona-Krise alle privaten Seenotretter auf, ihre Aktivität im Mittelmeer einzustellen. In einem an NGOs adressierten Brief wird appelliert, keine Notrettungsaktion im Mittelmeer durchzuführen. Hierzu habe Italien aufgerufen. Das Schreiben des Bundesinnenministeriums wurde auf Twitter mehrfach geteilt. Darunter auch vom Journalisten Stephan Anpalagan:

Als Begründung heißt es: Italien sei wegen Covid-19 im Ausnahmezustand und könne daher „die Ausschiffung, Aufnahme und Versorgung von aus Seenot geretteten Flüchtlingen und Migranten durch private Schiffe“ nicht bewältigen.

Mehrere Seenotrettungsorganisationen haben die Entscheidung Italiens angeprangert, wegen der Corona-Krise alle Häfen zu schließen. Die wegen der Corona-Krise leidenden Bürger Italiens dürften nicht der Grund dafür sein, „jenen Hilfe zu verwehren, die nicht Gefahr laufen, in einem Intensivbett zu ersticken, sondern zu ertrinken“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Organisationen Ärzte ohne Grenzen, Saving Humans, Mediterranea, Sea Watch und Open Arms vom Mittwoch.

„Alle Leben müssen gerettet werden, alle gefährdeten Menschen geschützt, an Land wie auf See“, betonen die Organisationen darin. Es sei „möglich und notwendig“, so zu handeln.

Wegen Corona italienische Häfen nicht mehr „sicher“

Das italienische Innenministerium hatte am Dienstagabend erklärt, dass die italienischen Häfen wegen der Coronavirus-Pandemie nicht mehr als „sicher“ gelten könnten. Schiffe mit aus Seenot geretteten Flüchtlingen an Bord dürfen demnach nicht mehr an italienischen Häfen anlegen.

Die Hilfsorganisationen erklären in ihrem Schreiben, dass sie das italienische Gesundheitssystem mit eigenen Ressourcen und Mitarbeitern im Kampf gegen die Pandemie unterstützten würden. Aus Seenot geretteten Menschen einen sicheren Hafen zur Verfügung zu stellen sei überdies „eine rechtliche Verpflichtung“.

Keine Anlegestelle für Rettungsschiff „Alan Kurdi“ mit 150 Migranten

Das von der Organisation Sea-Eye betriebene Rettungsschiff „Alan Kurdi“ mit 150 geretteten Migranten an Bord sucht bereits seit mehreren Tagen auf dem Mittelmeer nach einer sicheren Anlegestelle. Nach Angaben der Besatzung befindet sich eine Schwangere unter den am Montag vor der Küste Libyens geretteten Menschen.

Laut dem italienischen Innenministerium wurden in diesem Jahr bislang knapp 3000 Migranten an italienische Häfen gebracht. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass die Zahl der Mittelmeer-Flüchtlinge steigen wird, wenn sich das Coronavirus in Libyen weiter ausbreitet.

Die humanitäre Situation in dem Bürgerkriegsland sei zu keinem Zeitpunkt schlechter gewesen als derzeit, erklärte der für Libyen zuständige Einsatzleiter der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Federico Soda, am Mittwoch. Für humanitäre Helfer werde es wegen der prekären Sicherheitslage und nun auch wegen der Ausbreitung des Coronavirus immer schwieriger, besonders gefährdete Menschen in Libyen zu erreichen.








TRT Deutsch und Agenturen