Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder zu steigenden Infektionszahlen und weiteren Corona-Maßnahmen eine Pressekonferenz.

Die Zahl der binnen eines Tages mit dem Coronavirus neu infizierten Menschen in Deutschland ist erneut sprunghaft gestiegen und hat damit einen Rekordwert erreicht. Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Donnerstagmorgen 6638 Neuinfektionen – rund 1500 mehr als am Mittwoch. Bislang waren Ende März mit knapp 6300 Neuinfizierten die meisten registriert worden, damals allerdings wurde bei weitem nicht so viel getestet.

Die Zahl der Coronatests schwankt seit Mitte August zwischen rund 1,1 Millionen und 1,2 Millionen pro Woche. Die Rate der positiven Tests ist nach RKI-Angaben vom Mittwochabend jedoch deutlich gestiegen: von 0,74 Prozent Ende August auf 2,48 Prozent in der Woche vom 5. bis 11. Oktober.

In mehreren Labors gebe es einen Rückstau, einige gaben laut RKI Lieferschwierigkeiten für Reagenzien an. „Das RKI erreichen in den letzten Wochen zunehmend Berichte von Laboren, die sich stark an den Grenzen ihrer Auslastung befinden“, schreibt das Institut im Lagebericht vom Mittwoch. Der zusätzliche Testbedarf durch Urlauber nach Einführung des Beherbergungsverbots mit der Option zu einer „Freitestung“ habe die Situation weiter verschärft.

„Sonst wird das kein gutes Ende nehmen“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach eigenen Worten nicht überzeugt, dass die jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse die Ausbreitung der Corona-Pandemie wirklich wie gewünscht eindämmen können. „Ob das heute genug war, werden wir sehen“, sagte Merkel am Mittwochabend nach den Spitzenberatungen. „Deswegen ist meine Unruhe mit dem heutigen Tag noch nicht weg.“

Sorgen bereite ihr vor allem der exponentielle Anstieg der Infektionszahlen, sagte die Kanzlerin. Dieser Anstieg müsse gestoppt werden: „Sonst wird das kein gutes Ende nehmen.“ Mit Blick auf die Pandemielage in anderen europäischen Ländern fügte sie hinzu: „Da muss ich nur in die Nachbarschaft gucken.“

Nun gehe es darum, die Wirksamkeit der beschlossenen Maßnahmen zu überprüfen und notfalls entsprechende Konsequenzen zu ziehen: „Das muss dann nachgeschärft werden.“ Sie persönlich sei „der Meinung, dass wir die Mittel in der Hand haben, um diesem Virus uns entgegenzustemmen und auch mit ihm umzugehen“.

„Die Zahlen werden jetzt erstmal deutlich steigen“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht Deutschland knapper vor einem erneuten Lockdown stehen als es bisher allgemein gesehen werde. Es sei vielleicht nicht mehr fünf vor zwölf, sondern es sei Schlag zwölf, sagte Söder Mittwochabend nach den Beratungen der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Eine rasche Besserung erwartet der CSU-Vorsitzende nicht: „Die Zahlen werden jetzt erstmal deutlich steigen“.

„Wir sind dem zweiten Lockdown eigentlich viel näher, als wir es wahrhaben wollen“, merkte er an. Sollte solch ein zweiter Lockdown tatsächlich kommen, werde es für Deutschland „erhebliche Schädigungen“ geben, dies werde den deutschen Wohlstand massiv gefährden.

DPA