Symbolbild: Eine gehisste Flagge Frankreichs

Die französische Justiz untersucht Vorwürfe von Rassismus und Misshandlung von Gefangenen in den Gefängniszellen eines Pariser Gerichtsgebäudes. Es seien Vorermittlungen wegen mutmaßlicher Vorfälle zwischen Frühjahr 2017 und Sommer 2019 eingeleitet worden, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.
Das Online-Magazin „StreetPress“ hatte zuvor die Vorwürfe eines Beamten öffentlich gemacht. Dieser behauptete, dass Insassen in den Zellen Erniedrigungen, rassistischen oder homophoben Beleidigungen, Nahrungs- oder Wasserentzug und Verweigerung der medizinischen Versorgung ausgesetzt gewesen seien.
„StreetPress“ zufolge sind in dem betroffenen Pariser Gerichtsgebäude fast 200 Polizeibeamte für die Überwachung der 120 Zellen am Tag und in der Nacht zuständig. Mehr als 1000 Gefangene sollen in rund zwei Jahren misshandelt worden sein. Das Magazin stützt seine Recherchen eigenen Angaben nach auch auf mehrere hundert interne Dokumente. Obwohl diverse Fälle gemeldet worden seien, habe es keine Konsequenzen gegeben.
Die Pariser Polizeipräfektur gab an, dass die Fälle durchaus intern untersucht worden seien und sich ein Disziplinarauschuss im September mit dem Fall eines Beamten befassen werde. Fünf weitere Beamte würden verwarnt. Der Polizeipräfekt habe „entschlossen“ gehandelt.
Polizeigewalt und Rassismus sind in Frankreich immer wieder Thema. Zuletzt hatte es mehrere Proteste wegen des Tods von Adama Traoré gegeben, der im Zuge einer Festnahme 2016 ums Leben kam. Seine Schwester hatte zu Großdemonstrationen aufgerufen, an denen Tausende teilnahmen.
Frankreichs Regierung hatte zuletzt immer wieder betont, hinter der Polizei zu stehen. Präsident Emmanuel Macron hatte erst bei einem nächtlichen Besuch einer Polizeistation im Norden von Paris zehn Millionen Euro versprochen, um die Prämien für Beamte zu erhöhen, die in Nachtschichten arbeiten.

DPA