Soldaten der griechischen Armee stehen am 2. März 2020 vor einem Zaun auf der griechischen Seite der griechisch-türkischen Grenze bei Kastanies.

Internationale Rechercheteams haben nach Informationen des „Spiegels“ am Freitag den Vorwurf erhärtet, dass griechische Grenzschützer am 4. März an der Grenze zur Türkei einen Migranten erschossen haben. Damals hatten türkische Behörden berichtet, griechische Grenzschützer hätten einen Mann getötet und weitere verletzt.

Griechenland dementierte dies am Freitagabend, ohne seine Behauptung mit Beweisen zu erhärten. „Es gibt keinen solchen Vorfall mit Schüssen von griechischen Beamten“, sagte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas laut einer Erklärung.

„Obwohl die griechische Regierung die Berichte über Tote und Verletzte durch das Feuer der griechischen Streitkräfte an ihrer Grenze als ‚Fake News‘ abgetan hat, haben wir eindeutig festgestellt, dass an diesem Tag sechs Menschen verwundet und einer getötet wurden“, unterstrich Bellingcat. Das internationale investigative Recherchenetzwerk gehörte zum internationalen Rechercheteam, das den Zwischenfall an der griechischen Grenze aufarbeitete.

Die Türkei hatte damals aufgrund der Eskalationen mit dem al-Assad-Regime in Syrien die Grenzen zur EU für offen erklärt. Zahlreiche Migranten versuchten daraufhin nach Griechenland zu kommen. Der griechische Grenzschutz stellte sich dem entgegen. Eine dpa-Reporterin berichtete von Schüssen. Das Gouverneursamt der türkischen Grenzprovinz Edirne erklärte, Schüsse griechischer Grenzbeamter töteten einen Migranten. Weitere Menschen wurden verletzt.

Nun berichtet der „Spiegel“, anders als von Athen dargestellt sei es sehr wahrscheinlich, dass von griechischen Sicherheitskräften scharf geschossen worden sei. Gemeinsame Ermittlungen mit den Rechercheteams Forensic Architecture, Lighthouse Reports und Bellingcat legten nahe, dass der Pakistaner Muhammad Gulzar beim Versuch, den Grenzzaun zu überwinden, von der Kugel eines griechischen Soldaten getroffen wurde.

Die Rechercheure hatten Augenzeugen befragt, offizielle Dokumente wie den Autopsiebericht sowie Fotos ausgewertet. Sie könnten nachweisen, dass Gulzar am 4. März an der Grenze griechischen Soldaten mit Gewehren gegenüberstand.

Scharfe Schüsse entlang der Zaunlinie

Gulzar sei durch eine Kugel getötet worden, die zu den Schnellfeuergewehren der griechischen Soldaten vor Ort passe. Nach Athener Angaben hätten die Griechen damals lediglich Blendgranaten und Tränengas eingesetzt, um die Menschen zurückzudrängen.

„Mehrere Augenzeugenberichte behaupteten, dass griechische Streitkräfte an diesem Tag scharfe Schüsse entlang der Zaunlinie abgefeuert hätten“, so Bellingcat. „Dies deckt sich mit den Aussagen von Zeugen, die behaupteten, gesehen zu haben, wie Gulzar von griechischen Truppen erschossen wurde, und mit seinem Totenschein, der besagt, dass er durch eine 5,56 mm-Kugel getötet wurde.“

„Wir fordern eine umfassende Untersuchung dieses Vorfalls durch die griechischen Behörden, um festzustellen, wer für die Tötung von Muhammad Gulzar verantwortlich war“, erklärte Bellingcat.


TRT Deutsch und Agenturen