Die weltweite Nachfrage an Mund- und Atemschutzmasken ist so groß wie nie. Aufgrund der Corona-Krise kommt es zu Engpässen in der Lieferung - davon ist auch die Schweiz betroffen. Die EU-Kommission hat deshalb Deutschland und Frankreich angewiesen, Lieferungen von medizinischem Schutzmaterial in die Schweiz nicht mehr zu blockieren. Doch in Zeiten der Krise will die europäische Solidarität nur bedingt funktionieren.

Wie die „Luzerner Zeitung“ berichtet, musste der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin intervenieren. Erst durch seine Bemühungen habe die EU-Kommission eine Regelung abgeändert, die den Export von Schutzmaterial wie Masken oder Handschuhen in Drittländer beschränkt. Lieferungen in die Schweiz sollten von Deutschland oder Frankreich nicht mehr am Zoll blockiert werden können, wie das zum Beispiel bei einem Lastwagen mit 240.000 Schutzmasken der Fall war.

Doch Paris hält Medienberichten zufolge weiterhin an dem französischen Export-Bann fest - und macht bei der Schweiz keine Ausnahme. Die Lieferanfrage der Schweiz für Masken aus einem Lager in Lyon sei fruchtlos geblieben.

Ähnliche Lieferprobleme gibt es auch von Deutschland aus. Nachdem eine Masken-Lieferung in Richtung Schweiz von den deutschen Behörden mehr als zwei Wochen aufgehalten worden sei, seien die Lastwagen nochmals ins Hauptzollamt Mönchengladbach zurückgeschickt worden, so die „Luzerner Zeitung“. Der Lieferant habe sich per Mail beim Schweizer Kunden entschuldigt: „Leider will der deutsche Zoll von uns, dass wir sämtliche Waren neu in die Zollsysteme eingeben sollen.“ Frühestens kommende Woche könne die Bestellung in der Schweiz ankommen.

Kliniken und Pflegeeinrichtungen in der Schweiz bekundeten derweil ihre Empörung – ein „Affront“ und eine „Frechheit“ seien die Restriktionen und Verzögerungen. Es gehe hier um Material, das für den Schweizer Markt bestimmt sei und potentiell Leben rette. Die Bestände in den Kliniken seien bereits jetzt stark rationiert.

Um die Situation zu entschärfen, habe das Labor Spiez zehn Millionen Masken freigegeben, welche das Verfallsdatum eigentlich schon überschritten haben, berichtet die „Luzerner Zeitung“ weiter. Das Bundesamt für Gesundheit habe die Bevölkerung sogar aufgefordert, überzählige Schutzmasken aus Privatbestand den Alters- und Pflegeheimen zu spenden.

Schweiz beschließt eigene Schutzmasken-Produktion

Als Reaktion auf die fehlende Solidarität anderer europäischer Länder habe die Schweiz nun beschlossen, Schutzmasken selber zu produzieren, berichtete SRF am Donnerstag. Das Land sei bislang von Lieferungen aus dem Ausland abhängig.

Die Schweiz brauche die medizinischen Masken demnach täglich zu Tausenden. Vor allem das Gesundheitspersonal sei auf sie angewiesen, um sich bei der Arbeit vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen.

Der Bund mit dem Kanton Zürich werde nun eine eigene Schutzmasken-Produktion angehen. Es gehe vor allem um Atemschutzmasken der Schutzklasse 2, die von Ärztinnen, Pflegerinnen und weiterem Gesundheitspersonal getragen werden.

Zürichs Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli erklärte laut SRF am Mittwochnachmittag, die Gesundheitsdirektion habe zusammen mit dem Bund zwei vollautomatische Maskenproduktionsmaschinen gekauft. Den Kauf habe Wirtschaftsminister Parmelin initiiert.

Die Maschinen würden pro Stück 740.000 Franken kosten – das sind rund 700.000 Euro. Bisher habe die Schweiz keine Masken der Schutzklasse 2 produzieren können, sagte der Zürcher Kantonsapotheker Andreas Hintermann dem SRF: „Wir sind vollständig von China und anderen Ländern abhängig. Der Kauf wird unsere Selbständigkeit stark erhöhen.“ Die Schweiz plane, auf diese Weise insgesamt bis zu 64.000 Masken am Tag herzustellen.

Der Kanton Zürich sei selbstverständlich bereit, auch die anderen Kantone mit Schutzmasken zu versorgen, wenn Bedarf bestehe. Ab Mitte April soll die Produktion der ersten Schutzmasken beginnen.

TRT Deutsch