Skandal ist als Wortwahl eine zu milde Formulierung. Normalerweise denkt man, Gewerkschaftsvertreter kümmern sich um die schützenswerten Belange ihrer Mitglieder. Großbritannien sollte da eigentlich keine Ausnahme darstellen – hier wie überall stehen Millionen von Existenzen auf dem Spiel, da niemand weiß, wie die Arbeitswelt nach dem Ende der Corona-Pandemie aussehen wird. Ganze Industriesektoren sind in Gefahr. Anderes gilt jedoch für die Führungsetage der UNITE und anderer Gewerkschaften. Denn dort steht ein anscheinend wichtigeres Thema im Vordergrund, nämlich die Werbetrommel für PKK-Anführer Abdullah Öcalan zu rühren.

Zuerst jedoch nach Deutschland. Auch hier waren letzte Woche Unterstützer für Abdullah Öcalan unterwegs.

PKK-Sympathisanten führen deutsche Passanten in die Irre

Eine allem Anschein nach europaweit ausgerichtete Aktion mit dem Titel „Zeit für Freiheit – Schluss mit Isolation, Faschismus, Besetzung“ fand vergangene Woche ihren Weg in eine Reihe von deutschen Innenstädten, wobei Düsseldorf als Zentrale erkoren wurde. In Bremen, Berlin, Hamburg und anderswo waren es wohl eher vereinzelte Aktivitäten, wobei manche bereits früher stattgefunden hatten, inklusive des „Werbegags“ Bereitstellung von „Öcalan Bibliotheken“; Düsseldorf war unfreiwilliger Schauplatz für eine ganze Aktionswoche.

Schon bald tauchten im Internet schockierende Selfies auf, die junge Menschen mit der verbotenen Öcalan-Fahne im öffentlichen Nahverkehr Berlins zeigten, während andere sich stolz vor einem Geschäft mit Postfiliale in der Hansestadt Bremen ablichten ließen und mitteilten, man habe 800 Briefe an den Generalsekretär der Vereinten Nationen abgeschickt.

Als Organisator stellte sich FED-MED vor. Eigene Recherchen ergaben, dass es sich hierbei nach Angaben wie durch das Portal ANFNews verbreitet um eine kurdische Vereinigung handelt, die im Juli 2020 zu ihrem 3. Kongress in Dortmund zusammenkam, mit 95 Delegierten inklusive 23 Ko-Vorsitzenden sogenannter Volksräte aus ganz Nordrhein-Westfalen. ‚Volksräte‘ für das Verbreiten von PKK-Ideen auf deutschem Boden?

ANFDeutsch.com ist sodann das Organ, das die Aktionen der letzten Woche medienwirksam mit Fotos absetzte und somit versuchte, eine breitere Masse zu erreichen. Oder sollten wir nicht besser sagen zu ködern?

Gefährliches Spiel mit der deutschen Bevölkerung

Vor allem die Studentenbewegung nahm sich dieses Themas an. Schnell wurde dann der Versuch gewagt, sämtliche Aufstände dieser Welt als Antifaschismus zu deklarieren, und da Deutsche den Faschismus aus tiefstem Herzen ablehnten, hatte man leichtes Spiel.

Stichwort Türkei: Nach und nach wurde den Menschen in der Türkei und dann Europa jedoch klar, dass es sich bei der sogenannten Arbeiterpartei Kurdistans aka PKK um nichts anderes als eine billige Terrorgang handelte; „billig“ im Sinne einer Ansammlung von Kriminellen, Drogenhändlern, Menschenhändlern und Bombenlegern. Da war nichts von Demokratie im Sinne von Brandt erkennbar, rein gar nichts.

UNITE-Gewerkschaft im Terrorumfeld-Chaos

Wenden wir uns nun dem Vereinigten Königreich zu. Man traut seinen Augen nicht: Auf der Webseite www.freedomforocalan.org posieren gestandene Frauen und Männer mit dem verbotenen Bild von PKK-Anführer Abdullah Öcalan. Mal wieder eine Splittergruppe auf dem einsamen Marsch durch eine Fußgängerzone irgendwo in Europa? Weit gefehlt – wir befinden uns auf der offiziellen Homepage einer Gruppierung von nicht weniger als neun (!) britischen Gewerkschaften, und wie wir mittels Lektüre des weiteren Inhaltes erfahren, gutgeheißen vom britischen Dachverband Trades Union Congress (TUC).

Aufmerksam auf diese höchst dubiose PKK-Werbeinitiative wurde man mittels Analyse einer Zeitungsannonce, die letzte Woche für große Unruhe innerhalb der türkischen Diaspora im Vereinigten Königreich sorgte. Neun zumeist kleinere Tages- und Wochenzeitungen – klein vielleicht, aber die Masse macht‘s! – sowie der weltbekannte The Guardian akzeptierten eine ganzseitige Anzeige, auf der frei übersetzt stand: „Unterstützen Sie die Kampagne zur Freilassung von Abdullah Öcalan / Helfen Sie Frieden in der Türkei und im Nahen Osten zu erreichen“. Interessanterweise wird die Mehrzahl dieser Publikationen von JPI Media Limited verbreitet, ein Medienhaus, das erst kürzlich verkauft wurde, aber vom Umfang her weiterhin bei 172 Titeln liegt.

Ist es Zufall, dass die Mehrzahl dieser Titel im Industriegürtel bei Oxford herausgegeben wird? Könnte Verbindungen zwischen TUC und Herausgebern existieren? Wie sonst könnten gewissenhafte Journalisten den eindeutigen Link zwischen Öcalan und PKK und somit Terrorpropaganda übersehen? Gab es da vielleicht "einen Anruf von oben", will sagen aus dem Gewerkschaftsdachverband?

Anzeigen werden nicht kostenlos geschaltet. Nach Anfrage bei der Recherche für diesen Beitrag verlangt The Guardian für eine volle Seite in Farbe z.Zt. 108.667 britische Pfund, zum heutigen Umrechnungskurs sensationelle 1.111.663,41 türkische Lira. Kleinere Zeitungen berechnen zwar nur einen Bruchteil davon aber der Mindestbetrag liegt auch hier bei 1.000 Pfund pro voller Seite/Farbe. Schnell erreicht man Beträge von 3.000 oder 5.000 Pfund auch in relativ kleineren Publikationen.

Also an finanziellen Mitteln fehlt es der „freedomforocalan.org“-Kampagne mit Sicherheit nicht.

Unter dem Deckmantel, man wolle den EU-Beitritt der Türkei fördern, werden Stellungnahmen veröffentlicht, die Sanktionen gegenüber der Türkei begrüßen, Resolutionen verbreitet, welche die Freilassung von HDP-Vertretern fordern usw. Wenn wir dies nun im Zusammenhang mit der Ausrichtung der o.a. Gewerkschaftskampagne sehen – nur ein Zitat von vielen schockierenden Formulierungen sei hier eingefügt: "Despite this the world has stood by and watched as they are attacked, massacred and ethnically cleansed by Turkish troops and their allied militias" (mit Referenz zur kurdischen Bevölkerung) bezüglich der legitimen Aktionen Ankaras im südlichen Grenzgebiet –, so wissen wir, worum es geht. EUTCC und die Verantwortlichen der Anzeigenkampagne haben über die Freilassung von Öcalan letztendlich die Reinwaschung der PKK im Auge – ist das nicht ein klarer Angriff auf die Souveränität und territoriale Integrität der Türkei?

Wann wacht Europa endlich auf?

Gerade wurden 13 unschuldige türkische Menschen die jahrelang von PKK gehalten worden waren, kaltblütig genau von dieser Terrorbande ermordet. Man rechnet damit, dass es noch rund 5.000 aktive PKK-Kämpfer in den Grenzregionen gibt. Die PKK weiß: Ihre Tage sind gezählt. Trotzdem gehen der Handel mit Heroin, der Handel mit Menschen, die Geldwäscherei und vor allem auch die Schutzgelderpressung in Europa weiter.

Die überwiegende Mehrheit, eigentlich fast alle Bürgerinnen und Bürger mit kurdischen Wurzeln in der Türkei, wollen keinen eigenen Staat „Kurdistan“. Sie sind bestens integriert, sind stolze Bürgerinnen und Bürger der Türkei. Die PKK sprach niemals für diese Menschen – im Gegenteil, sie entführte ihre Kinder und ermordete zehntausende unschuldige Menschen.

Nicht nur der Gesetzgeber ist gefragt, auch wir als Bürgerinnen und Bürger müssen sicherstellen dass es baldmöglichst gar keine PKK mehr gibt, die ihr menschenverachtendes Unwesen treibt.

Fazit: Ohne unerlaubte Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland, ohne höchst gefährliche Gewerkschaftsunterstützung in Großbritannien könnte dieses Ziel noch viel schneller erreicht werden.

Meinungsbeiträge geben die Ansichten des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder. Für Anfragen wenden Sie sich bitte an: meinung@trtdeutsch.com