Türkiye nach der „Jahrhundertkatastrophe“: Wie staatliche Handlungsfähigkeit Hoffnung schafft

Drei Jahre nach den Erdbeben in Türkiye zeigt der Wiederaufbau unter Präsident Erdoğan, wie politische Verantwortung und staatliche Handlungsfähigkeit Hoffnung schaffen können.

By Muhammed Ali Uçar
Hatay, Türkiye, 27.12.2025 / Foto: Murat Kula/Turkish Presidency via AA

Heute jährt sich die „Jahrhundertkatastrophe“ zum dritten Mal. Die Erdbeben vom 6. Februar 2023, deren Epizentrum in Kahramanmaraş lag, haben Türkiye im Innersten erschüttert und tiefe Narben im kollektiven Gedächtnis des Landes hinterlassen. Zwei schwere Beben mit den Magnituden von 7,7 und 7,6 verwandelten ganze Städte innerhalb weniger Sekunden in Trümmerfelder. Mehr als 53.500 Menschen verloren ihr Leben, über 107.000 wurden verletzt. Familien wurden auseinandergerissen, Lebensgrundlagen zerstört, vertraute Orte ausgelöscht. Die Bilder jener Tage haben sich unauslöschlich eingeprägt.

Doch die Dimension dieser Katastrophe lässt sich nicht allein in Zahlen erfassen. Auf einer Fläche von rund 108.000 Quadratkilometern, die sich über elf Provinzen erstreckte, waren etwa 14 Millionen Menschen direkt betroffen. Kahramanmaraş, Hatay, Adıyaman, Gaziantep, Malatya, Kilis, Diyarbakır, Adana, Osmaniye, Şanlıurfa und Elazığ standen vor einer historischen Herausforderung. Die wirtschaftlichen Schäden wurden auf über 100 Milliarden US-Dollar geschätzt. Und dennoch begann bereits in den ersten Tagen nach dem Beben ein Prozess, der bis heute anhält: der gemeinsame Versuch, aus Trümmern neue Perspektiven zu schaffen.

Eine Katastrophe von europäischer Größenordnung

Um das Ausmaß der Erdbeben vom 6. Februar wirklich zu verstehen, sind internationale Vergleiche hilfreich. Das betroffene Gebiet war größer als viele europäische Staaten. Es entsprach nahezu der gesamten Fläche Bulgariens und übertraf Länder wie Österreich oder Portugal deutlich. Die Zahl der betroffenen Menschen lag auf einem Niveau, das der Gesamtbevölkerung Griechenlands oder Belgiens entspricht. Ein derartiges Szenario hätte selbst in politisch und wirtschaftlich stabilen Regionen Europas eine jahrelange Ausnahmesituation ausgelöst.

Hinzu kam die wirtschaftliche Dimension. Rund 55 Prozent der Schäden entfielen allein auf zerstörte oder schwer beschädigte Wohnungen. Öffentliche Infrastruktur, Krankenhäuser, Schulen, Verkehrsnetze und Versorgungssysteme wurden in großem Umfang beeinträchtigt. In vielen Ländern hätten solche Verluste zu langwierigen Verzögerungen im Wiederaufbau geführt. In Türkiye jedoch wurde die Katastrophe früh als nationale Bewährungsprobe verstanden, die koordiniertes und entschlossenes Handeln erforderte.

Staatliche Verantwortung und institutionelle Handlungsfähigkeit

In den Wochen nach dem Erdbeben zeigte sich eindrucksvoll, wie entscheidend funktionierende staatliche Strukturen in Krisenzeiten sind. Unter der politischen Verantwortung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan wurde der Wiederaufbau frühzeitig als nationale Aufgabe definiert und mit hoher Priorität vorangetrieben. Die klare politische Rahmensetzung, schnelle Entscheidungsprozesse und die konsequente Bündelung staatlicher Ressourcen ermöglichten es, kurzfristige Nothilfe und langfristige Wiederaufbauplanung miteinander zu verbinden. Diese strategische Ausrichtung war ein zentraler Faktor dafür, dass der Prozess nicht ins Stocken geriet, sondern zügig an Fahrt aufnahm.

Öffentliche Institutionen wurden rasch mobilisiert, Zuständigkeiten klar geregelt und administrative Abläufe vereinfacht. Ein wichtiger Bestandteil dieser Phase war die Rolle des Ministeriums für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel. In diesem Rahmen koordinierte der Minister für Umwelt und Stadtplanung Murat Kurum die großflächigen Bau- und Wiederaufbauprogramme, die konsequent auf Geschwindigkeit ebenso wie auf bauliche Sicherheit ausgerichtet waren. Frühzeitig fiel die Entscheidung, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, Baukapazitäten massiv auszuweiten und moderne, erdbebensichere Standards verbindlich umzusetzen.

Diese Form staatlicher Steuerung trug wesentlich dazu bei, Vertrauen zu schaffen – bei den Betroffenen, die auf konkrete Perspektiven warteten, ebenso wie in der breiteren Öffentlichkeit. Sie machte deutlich, dass der Wiederaufbau nicht dem Zufall überlassen wurde, sondern das Ergebnis klarer politischer Verantwortung, koordinierter Regierungsarbeit und institutioneller Leistungsfähigkeit war.

Wiederaufbau als nationales Gemeinschaftsprojekt

Bis Ende 2025 wurden rund 455.000 Wohnungen und Arbeitsstätten fertiggestellt und an ihre rechtmäßigen Eigentümer übergeben. Diese Zahl ist im internationalen Vergleich bemerkenswert. Nach schweren Erdbeben in südeuropäischen Ländern dauerte der Bau von deutlich weniger Wohneinheiten oft ein Jahrzehnt oder länger. In Türkiye hingegen entstand innerhalb weniger Jahre eine neue urbane Infrastruktur.

Mehr als 1.900 Baustellen arbeiteten parallel. Neue Stadtviertel wurden geplant, Verkehrswege erneuert, Schulen und Krankenhäuser wieder aufgebaut. Dabei ging es nicht nur um die schiere Anzahl der Gebäude, sondern auch um deren Qualität. Erdbebensicherheit, nachhaltige Stadtentwicklung und soziale Infrastruktur standen im Mittelpunkt. Der Wiederaufbau wurde so zu einem umfassenden Modernisierungsprojekt, das über die reine Schadensbeseitigung hinausging.

Gleichzeitig zeigte sich eine außergewöhnliche gesellschaftliche Mobilisierung. Millionen Menschen engagierten sich freiwillig, spendeten, halfen vor Ort oder nahmen Betroffene bei sich auf. Kommunen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Initiativen ergänzten staatliche Maßnahmen. Diese Kultur der Solidarität, tief verwurzelt im gesellschaftlichen Selbstverständnis von Türkiye, wurde in der Krise eindrucksvoll sichtbar.

Hoffnung, Zusammenhalt und der Blick nach vorn

Drei Jahre nach dem Erdbeben ist die Trauer um die Verstorbenen weiterhin präsent. Sie ist Teil der Realität dieses Landes. Doch sie wird zunehmend begleitet von sichtbaren Zeichen des Wiederaufstehens. Neue Wohnviertel, moderne Schulen, funktionierende Krankenhäuser und wiederbelebte Innenstädte stehen sinnbildlich für den Willen, nicht in der Katastrophe stehenzubleiben.

Ein historischer Vergleich macht diesen Wandel besonders deutlich. Nach dem Marmara-Erdbeben von 1999 wurde in Türkiye vielfach über unzureichende staatliche Reaktionen, mangelnde Koordination und fehlende Strukturen diskutiert. Viele Betroffene fühlten sich damals allein gelassen, der Wiederaufbau zog sich über Jahre hin. Die Erfahrungen von 2023 zeigen hingegen, wie sehr sich staatliche Kapazitäten, institutionelle Abläufe und politische Steuerungsfähigkeit verändert haben.

Der Wiederaufbau nach den Erdbeben vom 6. Februar 2023 macht deutlich, welche Rolle politische Stabilität und klare Verantwortung spielen. Eine handlungsfähige Regierung und die kontinuierliche Steuerung durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan haben wesentlich dazu beigetragen, dass Entscheidungen zügig getroffen, Ressourcen gebündelt und langfristige Perspektiven geschaffen wurden. In diesem Zusammenspiel von staatlicher Organisation und gesellschaftlichem Zusammenhalt konnten Hoffnungen dort neu entstehen, wo zuvor Verzweiflung dominierte.

Die Lehre aus dieser Katastrophe ist daher nicht nur eine tragische, sondern auch eine ermutigende. Sie zeigt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt, institutionelle Stärke und politische Kontinuität selbst Herausforderungen von kontinentaler Größe bewältigen können – und dass Hoffnung oft genau dann wächst, wenn sie durch verlässliches staatliches Handeln getragen wird.