Brandkatastrophe in Crans-Montana: Italien verlangt gemeinsame Ermittlungen
Italien drängt auf eine Zusammenarbeit mit der Schweiz zur Aufklärung der Brandkatastrophe in Crans-Montana. Die Freilassung des Barbesitzers sorgt für politischen Druck. Unter den 40 Todesopfern waren auch sechs Italiener.
Nach der tödlichen Brandkatastrophe in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana hat Italien gemeinsame Ermittlungen mit den Schweizer Behörden gefordert. Andernfalls werde Roms Botschafter nicht in die Schweiz zurückkehren, teilte die italienische Regierung am Montag mit. Italien hatte seinen Botschafter Lorenzo Cornado am Samstag zurückberufen, um gegen die Freilassung des Barbesitzers aus Untersuchungshaft zu protestieren. Am Montag forderte Rom die Kooperation der Justizbehörden und „die sofortige Einrichtung“ eines italienisch-schweizerischen Ermittlerteams.
Die Verantwortlichkeit für „das Massaker von Crans-Montana vom 1. Januar 2026“ müsse „ohne weitere Verzögerungen“ geklärt werden, forderte die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni weiter.
Unter den 40 teils minderjährigen Todesopfern des Brands in der Bar „Le Constellation“ in der Silvesternacht waren auch sechs junge Menschen aus Italien. Zudem stammten mehr als ein Dutzend der 116 Schwerverletzten aus dem Land. Mehr als drei Wochen nach der Brandkatastrophe werden nach Angaben von Schweizer Behörden und Krankenhäusern noch immer rund 70 Verletzte in Krankenhäusern in der Schweiz und anderen Ländern behandelt. Einige der Schwerbrandverletzten befinden sich weiter auf der Intensivstation und kämpfen ums Überleben. Meloni und ihr Außenminister Antonio Tajani hatten empört auf die Freilassung des Barbesitzers Jacques Moretti reagiert.
Der Franzose war am Freitag gegen eine Kaution von 200.000 Schweizer Franken (rund 215.000 Euro) unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Er ist unter anderem verpflichtet, sich täglich auf einer Polizeiwache zu melden, und darf die Schweiz nicht verlassen.
Gegen Jacques und Jessica Moretti wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung ermittelt. Die Ermittler vermuten, dass die Katastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die zu nahe an die mit Schaumstoff verkleidete Decke gehalten wurden.
Jacques Moretti hatte während einer Vernehmung angegeben, den schalldämpfenden Schaumstoff an der Decke selbst in einem Baumarkt gekauft und angebracht zu haben. Er saß seit dem 9. Januar in Untersuchungshaft, während seine Frau unter Auflagen auf freiem Fuß blieb.