UN: Mehr als eine Million Frauen in Gaza auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen

Derzeit herrscht in Gaza eine brüchige Waffenruhe. Dennoch bleibt dort die Lage für Frauen dramatisch. Laut UN Women kämpfen viele weiter um Nahrung, Sicherheit und ein Dach über dem Kopf – und tragen zugleich die Hauptlast des Wiederaufbaus.

UN: Mehr als eine Million Frauen in Gaza auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen/ Foto: Reuters / Reuters

Trotz der vereinbarten Waffenruhe sind laut UN Women mehr als eine Million Frauen und Mädchen im Gazastreifen weiterhin auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Demnach benötigen rund 250.000 von ihnen dringend gezielte Nahrungshilfe. Die UN-Organisation warnte am Freitag in Genf, die humanitäre Krise sei trotz der „fragilen“ Waffenruhe längst nicht vorbei.

„Diese Waffenruhe ist unser Zeitfenster, um schnell zu handeln und eine Hungersnot zu verhindern, bevor sie sich festsetzt“, sagte Sofia Calltorp, Direktorin des Genfer Büros von UN Women. Die Anfang Oktober zwischen Israel und der Hamas vereinbarte Waffenruhe habe zwar eine kurze Atempause gebracht, „aber die Krise nicht beendet“. Viele Frauen und Mädchen, die während des Krieges mehrfach vertrieben worden seien, stünden nun vor dem Winter ohne Unterkunft da.

Calltorp erinnerte daran, dass in den vergangenen zwei Jahren im Gazastreifen durchschnittlich zwei Frauen oder Mädchen pro Stunde getötet wurden. Diese Zahl verdeutliche das Ausmaß des Krieges und werde „unser kollektives Gewissen über Generationen hinweg belasten“, betonte sie. Die meisten Frauen in Gaza seien mindestens viermal vertrieben worden. Die Waffenruhe biete ihnen nun erstmals die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, Sicherheit zu suchen und den Wiederaufbau zu beginnen.

Laut UN Women wird inzwischen jede siebte Familie in Gaza von einer Frau geführt. Diese Haushalte benötigten gezielte Hilfe, um ihre Kinder zu ernähren, Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten und ihre Lebensgrundlagen wiederherzustellen. „Es wird keinen Wiederaufbau ohne die Frauen und Mädchen geben, die Gaza durch Hunger, Angst und Vertreibung am Leben gehalten haben“, betonte Calltorp.

Sie rief alle Konfliktparteien auf, die Waffenruhe einzuhalten, und forderte die internationale Gemeinschaft zu verstärkter Unterstützung auf. „Wenn wir die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen nicht in den Mittelpunkt stellen und Frauenorganisationen nicht in Hilfs- und Wiederaufbauprozesse einbeziehen, werden Frauen von der Zukunft Gazas ausgeschlossen“, warnte sie.

Investitionen in Hilfsprojekte mit Fokus auf Frauenhaben laut Calltorp zudem eine langfristige Wirkung. „Jeder Dollar, der in Hilfseinsätze investiert wird, die von Frauen geleitet werden, ist eine Anzahlung auf Hoffnung“, sagte sie. „Wenn wir in Frauen investieren, bringt jeder Dollar dem Gemeinwesen eine achtfache Rendite.“