Wadephul: Deutschland steht „an der Seite Syriens“

Beim Antrittsbesuch des syrischen Präsidenten in Deutschland stehen Investitionen, Handel und die Zukunft Syriens im Fokus. Außenminister Wadephul signalisiert Unterstützung für den Wiederaufbau des kriegsgezeichneten Landes.

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Foto: Nadja Wohlleben/REUTERS

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa die Unterstützung Deutschlands beim Wiederaufbau des Landes nach 14 Jahren Bürgerkrieg zugesichert. „Wir stehen an der Seite Syriens“, sagte Wadephul am Montag bei einem deutsch-syrischen Wirtschaftstreffen in Berlin an die Adresse al-Scharaas gerichtet. „Die Syrer verdienen eine Chance, und wir möchten helfen, dass diese Chance gut genutzt wird.“

Deutschland könne eine „starke Rolle“ beim wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes spielen, sagte Wadephul. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach von „Geschäftschancen“ in Syrien für deutsche Unternehmen. Sie hoffe auf einen „florierenden Handel“ mit dem Land.

Al-Scharaa sagte, die Zerstörung in seinem Land nach dem Bürgerkrieg (2011 bis 2024) sei „gigantisch“. Das biete aber auch die Chance auf einen „Neuanfang". Er warb für Syrien als Wirtschaftspartner: Syrien sei ein „sicherer Hafen für Lieferketten“ und eine „große Investitionschance im Bereich der Infrastruktur“. So baue das Land seine Energieinfrastruktur wieder auf. Syrien sei auch als Touristenziel „attraktiv“, versicherte der Präsident.

Al-Scharaa war am Montag zum Auftakt seines Antrittsbesuchs in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen worden. Für den Mittag ist ein Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geplant.

Nach Angaben der Bundesregierung stehen der Wiederaufbau des vom Bürgerkrieg zerstörten Landes sowie die Rückführung syrischer Flüchtlinge nach Syrien im Zentrum des Antrittsbesuchs. Auch der völkerrechtswidrige US-israelische Angriffskrieg gegen den Iran dürfte ein wichtiges Thema sein. 

Der Besuch al-Scharaas, der auch schon in Washington, Paris und Moskau empfangen wurde, sorgt in Deutschland vielfach für Kritik. So waren mehrere Protestkundgebungen geplant.

Ende Oktober hatte der Außenminister bei einem Besuch einer stark zerstörten Vorstadt von Damaskus Zweifel geäußert, dass angesichts der massiven Schäden kurzfristig viele syrische Flüchtlinge freiwillig zurückkehren würden – und damit eine heftige Debatte ausgelöst.

Kämpfer unter Führung der Rebellengruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS) hatten am 8. Dezember 2024 Damaskus vom Assad-Regime befreit. Machthaber Baschar al-Assad, der Syrien jahrelang mit eiserner Hand regiert und in einen fast 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg gestürzt hatte, floh daraufhin nach Russland. Präsident al-Scharaa bemüht sich seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 um Reformen und wirtschaftlichen Aufschwung.