Attentäter von Christchurch will Schuldgeständnis anfechten

Psychische Belastung und Isolation: Der Christchurch-Attentäter fordert die Aufhebung seines Schuldgeständnisses – wegen angeblich „qualvoller“ Haft. Steht Neuseeland ein neuer Prozess bevor?

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Attentäter von Christchurch will Schuldgeständnis anfechten / Foto: AP / AP

Der wegen eines rechtsextremistischen Terroranschlags in Neuseeland mit 51 Todesopfern verurteilte Attentäter hat die Aufhebung seines Schuldgeständnisses beantragt. Vor einem Berufungsgericht in Wellington erklärte Brenton Tarrant, die schwierigen Haftbedingungen hätten seine psychische Verfassung damals so beeinträchtigt, dass er bei seinem Geständnis nicht rational gehandelt habe.

Der heute 35 Jahre alte Australier war dabei aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Auckland zugeschaltet, wo er in einer Spezialeinheit für Gefangene mit extremem Sicherheitsrisiko untergebracht ist. Diese Einheit ist räumlich vom übrigen Gefängnis getrennt und mit besonders strengen Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen verbunden.

Bei dem bislang folgenschwersten Anschlag in der jüngeren Geschichte des Pazifikstaats hatte der Rechtsextremist Tarrant am 15. März 2019 während der Freitagsgebete in der Al-Noor-Moschee und der Linwood-Moschee um sich geschossen. Er filmte das Blutbad und übertrug die Videos live im Internet. Nachdem Tarrant sich in allen Anklagepunkten schuldig bekannte, wurde er wegen 51-fachen Mordes, 40-fachen versuchten Mordes sowie Terrorismus schuldig gesprochen. Viele Überlebende leiden bis heute unter den Folgen, sind arbeitsunfähig oder müssen mit starken Schmerzen leben. 

Der Australier ist der erste Mensch, der in Neuseeland zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, ohne die Aussicht auf eine vorzeitige Entlassung zu haben. 

Muss der Fall neu verhandelt werden?

Zum Auftakt der fünftägigen Anhörung sagte Tarrant, er sei zum Zeitpunkt seines Geständnisses nicht zurechnungsfähig gewesen. „Ich würde sagen, es war eine durch die Bedingungen ausgelöste Entscheidung. Es war eine Entscheidung, die ich irrational getroffen habe“, zitierte der Sender Radio New Zealand aus dem Gerichtssaal. Der Attentäter sprach unter anderem von Isolation und einer schlechten psychischen Verfassung, die ihn zu seinen damaligen Aussagen bewogen hätten.

Nach Angaben des Gerichts soll der Antrag geprüft werden. Zentrale Frage sei, ob Tarrant bei Abgabe der Geständnisse aufgrund der Bedingungen seiner Inhaftierung – die er als „qualvoll und unmenschlich“ bezeichnet habe – außerstande gewesen sei, rationale Entscheidungen zu treffen. Sollte dem Antrag stattgegeben werden, müsste der Fall neu verhandelt werden.