Westjordanland: Erneut Angriffe israelischer Siedler auf Palästinenser

Die Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im besetzen Westjordanland nehmen zu. Extremisten sollen erneut mehrere Menschen verletzt und Gebäude und Fahrzeuge in Brand gesetzt haben.

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Foto: Mohammed Torokman/REUTERS

Israelische Siedler haben erneut Angriffe auf Palästinenser im besetzten Westjordanland verübt. Palästinensische Dorfbewohner sagten am Sonntag, die Angreifer hätten in der Nacht Gebäude und Fahrzeuge in mehreren Dörfern in Brand gesetzt. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, brannten im Dorf Fandakumija südwestlich von Dschenin ein Haus und mehrere Fahrzeuge ab. Im Dorf Dschalud wurde ein Gesundheitszentrum in Brand gesteckt und die Moschee mit hebräischen Graffiti geschändet.

Der Palästinenser Hassan al-Subi, dessen Haus in Fandakumija zerstört wurde, sagte AFP, die etwa 200 Angreifer seien aus der nahegelegenen illegalen israelischen Siedlung Homesch gekommen. „Sie haben das Haus direkt vor unseren Augen in Brand gesetzt, indem sie Molotowcocktails durch die Fenster warfen“, berichtete er.

Nach einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa haben die Israelis mehrere Palästinenser verletzt. Der Rettungsdienst Roter Halbmond erklärte, bei einem weiteren Siedlerangriff im Dorf Deir al-Hatab in der Nähe von Nablus seien zehn Menschen verletzt worden. Ein Mensch sei durch einen Schuss verletzt worden und sechs weitere durch körperliche Gewalt.

Die israelische Armee teilte mit, in der Nacht seien angeblich Einheiten der israelischen Streitkräfte und der Grenzpolizei in mehrere palästinensische Dörfer entsandt worden. Grund dafür waren demnach Berichte, wonach „israelische Zivilisten Brandstiftung an Gebäuden und Eigentum begangen sowie Unruhen in der Gegend ausgelöst hatten“. Die Armee hatte zuvor behauptet, dass am Samstag ein israelischer Zivilist getötet worden sei. Bei dem Vorfall soll ein palästinensisches Fahrzeug einen israelischen Wagen gerammt haben.

Israel besetzt seit dem Sechstagekrieg 1967 unter anderem das palästinensische Westjordanland und Ostjerusalem. Heute leben dort rund 700.000 Siedler in mehr als 250 illegalen Siedlungen. Immer wieder kommt es dort zu Übergriffen auf Palästinenser durch extremistische Siedler und israelische Besatzungstruppen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den israelischen Siedlungsbau in einer Resolution aus dem Jahr 2016 und stufte ihn als völkerrechtswidrig ein.

Im Zuge des rund zweijährigen israelischen Vernichtungskrieges in Gaza haben auch im besetzten Westjordanland und Ostjerusalem die Aggressionen Israels zugenommen. Nach Angaben palästinensischer Behörden wurden seit Oktober 2023 mindestens 1.133 Palästinenser im Westjordanland getötet. Mehr als 11.700 Palästinenser wurden demnach verletzt und etwa 22.000 weitere verschleppt.