Erdoğan: Türkiye aus Iran-Krieg heraushalten „Priorität Nummer eins“
Nach einer erneut abgefangenen Rakete über türkischem Luftraum warnt Präsident Erdoğan vor einer Eskalation des Iran-Krieges. Die oberste Priorität der türkischen Regierung sei es, Türkiye aus dem Konflikt herauszuhalten.
Türkiye soll nach den Worten von Präsident Recep Tayyip Erdoğan unter keinen Umständen in den Iran-Krieg hineingezogen werden. Er werde sich von „Provokationen“ nicht mitreißen lassen, sagte Erdoğan am Freitag, nachdem kurz zuvor Abwehrsysteme der Nato nach Angaben aus Ankara die mittlerweile dritte Rakete aus dem Iran über der Türkiye abgeschossen hatten.
„Zu verhindern, dass unser Land in diese Feuersbrunst hineingezogen wird, ist unsere Priorität Nummer eins“, sagte Erdoğan. „Wir handeln mit sehr großer Vorsicht angesichts von Komplotten, Fallen und Provokationen, die darauf abzielen, unser Land in den Krieg hineinzuziehen“, sagte der türkische Präsident, ohne dabei die Konfliktparteien USA, Israel und den Iran namentlich zu nennen. Er stellte eine „angemessene und maßvolle“ Reaktion in Aussicht.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara war kurz zuvor eine „aus dem Iran abgefeuerte ballistische Rakete“, die in den türkischen Luftraum eingedrungen war, von den Luft- und Raketenabwehrsystemen der Nato im östlichen Mittelmeer „unschädlich gemacht“ worden.
Bereits zuvor waren seit Beginn des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran im türkischen Luftraum zwei iranische Raketen abgefangen worden. Am Dienstag gab Ankara bekannt, dass ein Patriot-Raketenabwehrsystem in der östlichen Provinz Malatya stationiert werde. In der Provinz liegt der Militärstützpunkt Kürecik, auf dem neben US-Soldaten ein Radarsystem der Nato stationiert ist, das iranische Raketenstarts erkennen kann. Bereits nach dem Abschuss der ersten Rakete im türkischen Luftraum in der vergangenen Woche hatte die Nato ihre Abwehrbereitschaft verstärkt.
US-israelischer Angriffskrieg gegen den Iran
Israel und die USA hatten am 28. Februar einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran gestartet. Bei landesweiten Luftangriffen wurden mehrere ranghohe Vertreter des Iran getötet, darunter das geistige Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Zum Nachfolger wurde sein Sohn Modschtaba Chamenei bestimmt. Die US-israelischen Angriffe erfolgen auch in zivilen Wohngebieten.
Nach Angaben des iranischen UN-Botschafters Amir Saeid Iravani töteten Israel und die USA bisher mindestens 1.444 Zivilisten im Iran. Mehr als 17.000 Zivilisten wurden demnach verletzt.
Der Iran reagiert mit Gegenschlägen auf Ziele in Israel sowie Einrichtungen des US-Militärs in Staaten der Golfregion. Offizielle Stellen meldeten bisher mindestens 39 Tote und Hunderte Verletzte.